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Wie viel Training tut Kindern gut?

Zweimal plus Spieltag ist der Normalfall, auch dreimal mit zwei Spieltagen liegt unter der Bewegungsempfehlung. Woran du merkst, dass es trotzdem zu viel wird.

10 Min. Lesezeitvon

„Dreimal Training in der Woche, am Wochenende ein Freundschaftsspieltag und ein echter Spieltag. Ist das zu viel für einen Siebenjährigen?“ Auch so eine Woche bleibt unter dem, was Kindern in dem Alter an Bewegung empfohlen wird. Zu viel wird es an drei anderen Stellen: an der Uhrzeit, an der Woche als Ganzes und an einem Schmerz, der immer an derselben Stelle sitzt.

Bei zweimal Training plus Spielfest fragt bei uns niemand, das ist in G, F und E der Normalfall. Die Frage kommt, wenn ich freitags noch eine Einheit dranhänge, oder in den Wochen, in denen wir dreimal trainieren und am Wochenende beides ansteht, Freundschaftsspieltag und Spieltag. Dann steht jemand am Rand: „Du hast auch noch nie was von Belastungssteuerung gehört?“ Diesen Satz bekomme ich am Platz ab und an zu hören.

Was der Verband empfiehlt, und was die BZgA

Der DFB empfiehlt in seiner Trainingsphilosophie Deutschland „mindestens zwei Einheiten pro Woche“, und ein paar Seiten weiter steht der Wunsch, „dass jedes Kind und jeder Jugendliche mindestens zweimal pro Woche“ trainiert (Fassung vom 14.10.2024, Seiten 8 und 10). Zwei Einheiten sind also die Untergrenze des Verbands. Eine Obergrenze nennt er für dieses Alter gar nicht.

Die Bewegungsempfehlung liegt noch einmal woanders. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt Grundschulkindern „eine tägliche Bewegungszeit von 90 Minuten und mehr in moderater bis hoher Intensität“, 60 davon dürfen Alltag sein, also Schulweg, Hof, Fahrrad. Für Kindergartenkinder sind es 180 Minuten am Tag (Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung, Sonderheft 03, Seite 23).

Jetzt die volle Woche. Drei Einheiten zu je neunzig Minuten sind 270 Minuten. Dazu zwei Spieltage, an denen ein Kind in der F-Jugend nach Anhang IV höchstens siebzig Minuten wirklich spielt. Das sind rund 410 Minuten in einer Woche, für die die BZgA 630 empfiehlt. Und die neunzig Minuten Training sind Anwesenheit; im Spiel ist ein Kind davon nach dem DFB-Muster höchstens sechzig.

Belastungssteuerung ist ein Wort aus dem Leistungssport, und dort hat es seinen Platz. Bei einer F-Jugend, die in einer Woche dreimal trainiert, steuert niemand eine Belastung. Man nimmt mit, was Platz und Kalender hergeben, und liegt immer noch unter der Empfehlung. Das hier ist Kapitel 12 des Elternleitfadens.

Die Woche eines sportlichen Kindes

Ob ein Kind zweimal, dreimal oder viermal zum Training geht, ist selten das ganze Bild. Ein sportliches Kind spielt in jeder Schulpause, im Hof und vor dem Abendessen und kommt so auf sieben oder acht Einheiten in der Woche, ohne dass jemand mitzählt. Wenn man sie lässt, haben Kinder ein Pensum, bei dem Erwachsene aussteigen würden.

Der DFB sagt dasselbe von der anderen Seite: „Egal, wie gut das Training ist: Von zwei Trainingseinheiten pro Woche und einem Spieltag wird kein Spieler und keine Spielerin richtig gut.“ Dazu sollen Schule, Straße, andere Sportarten, Camps und Stützpunkt kommen, der Verband nennt das polysportive Ausbildung. Wer sich fragt, ob dreimal zu viel ist, liest also beim Verband, dass zweimal zu wenig ist.

Richtig gute Kinder wollen sechs- bis neunmal die Woche spielen. Neunmal eine Stunde ist ungefähr das, was die BZgA empfiehlt. Zu viel wird es also nicht an der Zahl.

Das Problem ist die Uhrzeit

Training ist abends, nach der Schule und oft nach dem Ganztag. Bei uns geht es um halb sechs los, und die Kinder kommen müde an und haben Hunger. Beides zusammen macht sie gereizt. Im Englischen gibt es dafür ein Wort, hangry, aus hungry und angry zusammengesetzt, und es beschreibt ziemlich genau, was da um halb sechs auf dem Platz steht.

Eine Kleinigkeit zu essen auf dem Weg zum Training löst mehr als eine Einheit weniger. Ich habe im Training oft Bananen dabei, für den Fall, dass ein Kind leer ankommt.

Meiner Erfahrung nach ist es sehr wechselhaft. Und wenn man die Kinder fragt, dann ist manchmal das Essen in der Ganztagsschule schlecht. Dementsprechend wurde einfach weniger gegessen.

Wie trainiert wird, zählt mehr als wie oft

Anderthalb Stunden Funino zwei gegen zwei sind eine Belastung, die man einem Kinderfußballplatz von außen nicht ansieht. Neunzig Minuten in einer Schlange vor einem Hütchen sind ein ruhiger Abend.

Der Verband rechnet deshalb in Nettospielzeit: mindestens 48 Minuten je Woche, in denen ein einzelnes Kind wirklich im Spiel ist, von der U8 bis zur U16. Seine „beste Trainingseinheit“ hat neunzig Minuten, davon zweimal dreißig im Spiel auf mehreren Feldern (Trainingsphilosophie Deutschland, Seiten 8 und 10). Die 48 Minuten sind ein Boden, kein Deckel: eine Mindestzahl, die der Verband für zu selten erreicht hält.

Zähl die Woche, nicht die Einheiten

Zwei Trainings, ein Spieltag, Schulsport, ein Schwimmkurs und die Radtour am Sonntag sind zusammen mehr, als in „zweimal Fußball“ steckt. Kein Grund, etwas davon zu streichen.

Kinder in dem Alter melden Erschöpfung bei uns selten als Erschöpfung. Sie melden sie als schlechte Laune, als Streit im Auto oder als „ich will heute nicht“.

Dazu kommt der Schlaf. Ein Kind, das um sieben vom Platz kommt, schläft nicht um halb acht, und die Stunde, die am Dienstag fehlt, fehlt am Mittwoch in der Schule.

Für mein Trainerkind wird es dann manchmal noch etwas später, da wir noch abbauen, einige Punkte mit anderen Trainern klären und alles zuschließen müssen.

Der zweite Sport ist dabei kein Problem. Der DFB nennt ihn selbst als Teil der Ausbildung, und die 630 Minuten der BZgA sind ohne ihn kaum zu erreichen. Ob Schwimmen am Mittwoch dem Fußball am Donnerstag etwas wegnimmt, ist eine eigene Frage und bekommt einen eigenen Artikel.

Der Tennisspieler

Einmal hatten wir im Frühling an einem Wochenende vormittags ein Spielfest, und ein Spieler musste früher weg, weil er danach noch einen Tennisspieltag hatte. Abends hatten wir ein Extra-Training organisiert, zum Bolzen, und dort stand er wieder auf dem Platz und hat mitgekickt. Sportliche Kinder gehen lange Wege, und die unsportlichen zeigen dir die Müdigkeit.

In der F-Jugend habe ich noch keine Überlastung feststellen können. Kinder in diesem Alter regeln das selbst: Sie hören auf und legen sich hin, wenn sie nicht mehr können. Die Medizin widerspricht dem nicht. Die typischen Überlastungsbeschwerden des Wachstumsalters fangen laut den Schweizer Kinderärzten an der Ferse an, und zwar zwischen acht und zwölf, am Knie noch später (Pädiatrie Schweiz, Schaub, 09.09.2022). Für Jüngere beschreiben die Quellen, die ich gelesen habe, nichts dergleichen.

Vor einer Woche hatten wir ein Training, und die Kinder waren besonders schlapp. Auf Rückfragen habe ich herausgefunden, dass am Vormittag eben der Schwimmkurs in der Schule war, am frühen Nachmittag die Tennis-AG und abends dann noch unser Fußballtraining. Das ist ein straffes Programm für einen Drittklässler.

Was der Verband je Stufe vorsieht

Die Spieltagsspalte ist die einzige mit Verbandszahlen. Alles andere ist Empfehlung, Muster oder Erfahrung, und die Tabelle sagt bei jeder Zelle, was davon.

AlterSpieltag, was der DFB vorsiehtTraining je WocheWie lang eine Einheit istBewegung am Tag, empfohlenWie Überlastung in dem Alter aussieht
3–4 Jahre (vor G)Keiner. Es gibt keine Altersklasse darunter, also keinen Spielbetrieb, nur ein VereinsangebotKeine Vorgabe. Bei uns eine EinheitDFB-Muster „Bambini-Spielstunde“, vier Blöcke, zusammen rund 60 Minuten. Bei uns: vierzig Minuten sind viel, eine Stunde ist zu lang180 Minuten und mehr, angeleitet und frei zusammenNichts, was die Quellen für dieses Alter beschreiben. Müde heißt hier: aufhören, hinsetzen, hinlegen
5–6 Jahre (G, Bambini)Spielfeste alle zwei bis drei Wochen: 2 gegen 2 bis zu 7 Durchgänge à höchstens 5 Minuten, 3 gegen 3 7 × 7 Minuten. Hessen: 3 gegen 3, höchstens 7 Minuten je Spiel, höchstens 7 Runden. Turniertag höchstens 80 MinutenMindestens zwei (DFB). Bei uns zweirund 60 Minuten nach dem DFB-Muster. Die 48 Minuten netto gelten hier noch nicht180 Minuten und mehrwie oben. Die Schlange vor dem Hütchen ist Leerlauf
7–8 Jahre (F)Spielfeste alle zwei bis drei Wochen: auf Minitore bis zu 7 Durchgänge à höchstens 10 Minuten, auf dem Kleinfeld 6 × 10 bis 12 Minuten. Hessen: 4 gegen 4, höchstens 10 Minuten, höchstens 7 Runden. Turniertag höchstens 80 MinutenMindestens zwei (DFB). Bei uns zwei plus Spieltag, in manchen Wochen drei plus Freundschaftsspieltag und Spieltagrund 90 Minuten (15 + 30 + 15 + 30), davon mindestens 48 Minuten netto je Woche im Spiel90 Minuten und mehr, 60 davon dürfen Alltag sein, an zwei bis drei Tagen etwas AnstrengenderesLaut Quelle fängt es an der Ferse ab acht an. Bei mir in der F-Jugend bisher keine
9–10 Jahre (E)Spielfeste (zwei)wöchentlich oder Ligabetrieb 4 × 15 oder 2 × 25 Minuten. Hessen: 6 gegen 6, 4 × 15 oder 2 × 25. Turniertag höchstens 100 MinutenMindestens zwei (DFB). Bei uns zwei plus Spieltagrund 90 Minuten, 48 netto90 Minuten und mehr, wie in der Zeile darüberDie erste Stufe, in der ein Schmerz an derselben Stelle etwas heißen kann: Ferse unter Belastung (typisch acht bis zwölf), bei Mädchen auch das Knie (zehn bis elf). Ein Kind, das nach dem Training anders läuft

Quellen: DFB-Jugendordnung, Anhang IV und Turnierrichtlinie Nr. 6, Stand 21.08.2026; hessische Durchführungsbestimmungen 2026/27 vom 10.07.2026; Trainingsphilosophie Deutschland vom 14.10.2024, Seiten 8, 10 und 54 bis 57; BZgA-Empfehlung, Seite 23; Pädiatrie Schweiz, 09.09.2022. Die 60 Minuten der Bambini-Spielstunde sind unsere Summe der vier Blöcke, das DFB-Heft nennt keine Gesamtdauer. Die Höchstspielzeit je Tag gilt für Turniere; für Spielfeste nennt der Anhang keine. Und wo bei euch jede Woche gespielt wird, obwohl der Anhang IV alle zwei bis drei Wochen sagt, liegt das am Kreis oder am Landesverband, nicht am DFB.

Wachstumsschmerzen oder Überlastung: woran du es bemerkst

Beides tut weh, und den Unterschied erkennst du nicht am Schmerz, sondern an seinem Muster. Die beiden Listen sind aus den Quellen abgeschrieben, nicht hübscher gemacht.

So sehen Wachstumsschmerzen aus (Kinder- und Jugendärzte im Netz, 05.10.2017):

  • Sie kommen abends oder nachts, und am Morgen sind sie „wie weggeblasen“.
  • Sie sitzen in den Waden, Kniekehlen, Schienbeinen oder an der Vorderseite der Oberschenkel, nicht in den Gelenken.
  • Meist in beiden Beinen zugleich.
  • Sie kommen in Ruhe, nicht unter Belastung.
  • Sie sind eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, die Ärztin stellt sie fest, nachdem sie anderes ausgeschlossen hat, und nicht die Eltern am Küchentisch.

So sieht Überlastung im Wachstumsalter aus (Pädiatrie Schweiz, 09.09.2022):

  • Der Schmerz sitzt an einer Stelle, immer derselben.
  • Er kommt unter Belastung oder direkt danach.
  • Die Stelle ist auf Druck empfindlich.
  • Er bleibt über Wochen.
  • Das Kind läuft anders oder hinkt, auch wenn es nichts sagt.

Wann du zur Kinderärztin gehst

Wenn eines aus der zweiten Liste zutrifft. Schmerz immer an derselben Stelle, Schmerz unter Belastung, ein Kind, das anders läuft, Schmerz über Wochen. Und sofort, wenn zu einem nächtlichen Schmerz eine Schwellung kommt, eine Überwärmung, eine Rötung oder Fieber.

Bauchweh

Und eine Sache, die Trainer öfter sehen als Eltern: Ein Kind, das über Wochen sagt, es habe Bauchschmerzen, hat bei uns manchmal keine. Bauchweh ist die Sprache, in der Kinder in diesem Alter vieles melden, was ihnen zu viel wird, und der Fußball ist dabei nicht immer der Grund.

Müdigkeit und „ich will nicht“ sehen von außen gleich aus. Wie du die Gründe auseinanderhältst, wenn dein Kind über Wochen nicht mehr will, steht in Kapitel 13 des Leitfadens: Mein Kind will nicht mehr zum Fußball.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ein Kind in der F-Jugend trainieren?

Der DFB empfiehlt mindestens zwei Einheiten je Woche, für jedes Kind. Bei uns sind es zwei plus ein Spieltag, das ist in G, F und E der Normalfall, und in manchen Wochen drei plus zwei Spieltage. Die Bewegungsempfehlung der BZgA für Grundschulkinder liegt bei 90 Minuten am Tag; auch die volle Woche mit drei Einheiten und zwei Spieltagen bleibt darunter.

Woran erkenne ich, dass es zu viel wird?

An drei Stellen: an der Uhrzeit (müde und hungrig um halb sechs), an der Woche als Ganzes (Fußball plus Schulsport plus Schwimmen plus Radtour) und an einem Schmerz, der immer an derselben Stelle sitzt, unter Belastung kommt und über Wochen bleibt. Der dritte Punkt gehört zur Kinderärztin.

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