Vierzehn Kinder bei der Sache halten: Ansage, Namen, Felder
Kürzer reden, als du glaubst, mehr Felder aufbauen, als dir lieb ist, und Namen zuerst: was gegen Unruhe im Kindertraining hilft, mit Zahlen aus der F-Jugend und vom DFB.
9 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
„Wie behalte ich die Gruppe?“ Indem du kürzer redest, als du glaubst, mehr Felder aufbaust, als dir lieb ist, und Namen lernst, bevor du irgendetwas anderes lernst. Das, was bei uns nach Disziplinproblem aussah, war fast immer eine Antwort auf Leerlauf.
Das ist die lange Fassung von Kapitel 08 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer. Es geht hier um den Ablauf: wie viele Erwachsene du brauchst, wie lang eine Ansage sein darf, wie ein Übergang läuft und was du im Winter machst. Umgangston, Lob, Schimpfen und Grenzen stehen im nächsten Kapitel, und ich lasse sie hier absichtlich weg.
Wie viele Kinder ein Erwachsener führen kann
Der DFB nennt eine Zahl, und sie steht in der Trainingsphilosophie Deutschland: für die Bambini ein Begleiter je vier Kinder, für die F-Junioren einer je sechs Spieler, gegebenenfalls zuzüglich zweier Torhüter. Gemeint sind Eltern, die als Spielfeldbegleiter mit ins Training kommen. Einen „Fußball-Background“ müssen sie nach derselben Schrift ausdrücklich nicht haben. Bambini heißt in der Jugendordnung G-Junioren, die Vier gilt also für die Jüngsten selbst. Für die E-Junioren und darüber nennt die Fassung keine Zahl.
Für vierzehn Kinder heißt das: Eine F-Jugend bräuchte drei Erwachsene, eine G-Jugend vier. Vierzehn Kinder allein über neunzig Minuten zu halten ist schwer, weniger wegen der Disziplin als wegen der Wege: Du kannst nicht an zwei Feldern gleichzeitig stehen.
Wo du die Erwachsenen herbekommst, steht in Eltern führen. Was sie am Feld dann tun, wer dafür infrage kommt und wie aus zwei Trainern und zwei Eltern vier Felder werden, steht in Spielfeldbegleiter: was sie tun und wer es machen kann.
Trainingskapitäne: die Kinder helfen mit
Erwachsene sind das eine. Bei uns ernenne ich dazu jede Woche zwei Trainingskapitäne, jede Woche andere Kinder. Die klären erst einmal die kleinen Fragen auf ihren Feldern, helfen dabei, dass die Regeln eingehalten werden, und loben, und ich muss nicht bei jedem Zweifel rüberlaufen. Bei Streit hole ich die Kapitäne zusammen und frage sie nach ihrer Lösung. Die tragen sie dann auch, wenn sie gegen die eigene Gruppe ausfällt. Wie das im Vier gegen vier bei uns läuft, steht in F-Jugendtraining: Tipps für Trainer.
Wartezeit ist der Gegner
Das ist die Fortsetzung von Kapitel 03, und sie gilt auch dann, wenn du gar nichts falsch machst. Ein Kind, das wartet, sucht sich etwas. Es tritt gegen ein Hütchen, es zieht jemanden am Leibchen, es geht aufs Klo oder legt sich hin.
Deshalb ist das Mittel gegen Unruhe bei mir selten ein Pfiff und nie ein Schrei, sondern meistens ein zweites Feld. Das Gegenmittel ist banal und ungewohnt: mehr Bälle, mehr Tore, mehr Felder. Keine zusätzlichen Ansagen. Wie viele Felder du für wie viele Kinder brauchst und wie du sie hinstellst, bevor das erste Kind kommt, steht in Der Platz, bevor die Kinder kommen. Wenn du zwischen zwei Formen umbauen musst, ist beim Aufbau etwas schiefgegangen.
Wie lange du am Stück reden kannst
Kurz. Kürzer, als du meinst. Meine Beobachtung aus dem F-Jugend-Training mit zwölf bis sechzehn Kindern: Nach etwa dreißig Sekunden schaut das erste Kind weg, nach einer Minute ist ein Drittel woanders, und wer zwei Minuten erklärt, muss danach noch einmal erklären. Zwei Kinder, die aufs Klo müssen, sobald du anfängst zu erklären, sind kein Zufall. Das ist die Rückmeldung, dass die Ansage zu lang war.
Daraus folgt eine andere Reihenfolge. Zeig die Form, statt sie zu beschreiben. Lass zwei Kinder vormachen, während du zwei Sätze sagst. Und erklär die zweite Hälfte der Regeln erst, wenn die erste läuft. Was ich während der Form dann noch sage, ist kurz: „Kopf hoch“, „weiter“, „jetzt verteidigen“. Eine längere Erklärung nehme ich nur, wenn das Spiel sonst nicht weitergeht, und dann beim einzelnen Kind, ohne die ganze Gruppe anzuhalten.
Die Staffel: Erwachsene, Ansage, Übergang
Zwischen einem Fünfjährigen und einem Zehnjährigen liegt bei der Ansage ein Faktor vier, und beim Betreuungsschlüssel eine Verbandszahl gegen keine.
| Stufe | Erwachsene je Kinder | Ansage am Stück | Übergang |
|---|---|---|---|
| 3–4 Jahre (vor G) | keine Verbandszahl; so viele, wie da sind | keine, du zeigst, und die Kinder laufen hinterher | gibt es nicht: die nächste Form fängt an, wo die Kinder stehen |
| 5–6 Jahre (G, Bambini) | einer je vier (DFB) | 30 Sekunden | klatschen, zeigen, los |
| 7–8 Jahre (F) | einer je sechs (DFB) | 1 Minute | die drei Schritte unten |
| 9–10 Jahre (E) | keine Verbandszahl | 2 Minuten | die drei Schritte, und der Kreis darf ein Kreis sein |
Belegt ist nur die erste Spalte, dort, wo der DFB eine Zahl nennt. Ansage und Übergang sind Erfahrung aus meinem Training, und die erste Zeile ist eine Schätzung. Die Ansage-Spalte steht auch in der Vergleichstabelle der ersten Trainingseinheit, dort als Teil des Abends, hier mit der Begründung.
Namen
Namen kosten nichts, und bei uns haben sie mehr verändert als jede Übung. Ein Kind, das mit Namen angesprochen wird, verhält sich anders als eines, das „hey, du“ heißt. Es reagiert schneller, es fragt eher nach, und es kommt beim nächsten Mal wieder. Das sehe ich bei uns jede Woche, belegen kann ich es nicht.
Bei unseren vierzehn Kindern habe ich von Anfang an versucht, die Namen zu lernen. Lern sie in der ersten Woche und nicht über die Saison verteilt. Begrüß jedes Kind einzeln, wenn es kommt, und verabschiede jedes einzeln. Das sind zwei Minuten am Abend. Bei uns geht das beim Warmkicken von selbst: Ich stehe am Rand, während die ersten auf die Tore schießen, und jedes Kind, das kommt, kriegt seinen Namen.
Wenn du dir Namen schlecht merkst, gibt es zwei Wege. Der eine wirkt albern und funktioniert: In den ersten beiden Wochen sprichst du jedes Kind bei jeder Ansprache mit Namen an, auch wenn es das dritte Mal in einer Minute ist. Nach zwei Wochen sitzen sie. Der andere ist unbeliebt und wirkt sofort: die Namen aufschreiben und den Zettel mitnehmen. Die Kontaktliste auf Papier, die du sowieso dabeihast, ist der Zettel.
Die Übergänge: drei Schritte
Eine Gruppe verlierst du zwischen zwei Formen, nicht während des Spielens. Dort steht sie herum, hört Ansagen und wartet auf dich. Der Übergang hat bei mir drei Schritte, und mehr bekommt er nicht:
- Klatschen, und alle kommen. Das ist die erste der drei Regeln vom ersten Abend.
- Ein Satz, was jetzt läuft. Einer.
- Sofort anfangen lassen. Die zweite Hälfte der Regeln kommt, wenn die erste läuft.
Der Übergang, den man leicht vergisst, ist der letzte. Ein Training, das mit „so, das war‘s“ endet, franst aus. Bei uns tragen vorher alle etwas zum Schuppen, nicht nur die Schnellsten, und das ist schon der halbe Übergang. Dann ein Kreis, ein Satz, Verabschiedung mit Namen, und die Kinder gehen zu ihren Eltern statt in vier Richtungen.
Als Karte für die Hosentasche:
| Wann | Was |
|---|---|
| zwischen zwei Formen | klatschen, ein Satz, anfangen lassen |
| wenn die erste Hälfte läuft | die zweite Hälfte der Regeln, in Bewegung |
| am Ende | alle räumen auf, Kreis, ein Satz, jedes Kind mit Namen verabschieden |
Was du machst, statt es zu sagen
Die meisten Sätze, die ich im Kindertraining gesagt habe, ließen sich durch einen Handgriff ersetzen. Diese Tabelle hängt bei mir nicht in der Kabine, aber sie könnte. Sie ist eine halbe Seite.
| Statt zu sagen | Machst du |
|---|---|
| „Ihr müsst euch mehr anbieten“ | ein Tor mehr aufstellen |
| „Nicht alle zum Ball“ | das Feld schmaler und länger machen |
| „Konzentriert euch“ | die Form wechseln, die Gruppe ist müde |
| „Seid mal leise“ | anfangen lassen, es wird von selbst leise |
| „Jetzt hört doch mal zu“ | die Ansage abbrechen und zeigen |
| „Spielt doch mal ab“ | ein Tor zählt erst, wenn alle drei den Ball berührt haben |
| „Guckt hoch“ | vier Tore statt zwei, dann müssen zwei Ziele im Blick bleiben |
| „Lass die anderen auch mal“ | dem starken Kind nach dem Tor eine Zusatzaufgabe geben: Stange berühren, Purzelbaum |
| „Holt den Ball“ | drei Bälle liegen am Feld bereit, keiner holt während des Spiels |
| „Jetzt geht trinken“ | die Flaschen stehen am Rand der Felder und nicht in der Kabine |
Das ist derselbe Gedanke wie in Kapitel 03: Der Aufbau löst mehr als die Ansprache. Die Kinder merken den Unterschied nicht als Regel, sondern daran, dass es besser läuft.
Regen, Kälte, Dunkelheit, und der Platz ist belegt
Vier Dinge, die im Winter jede Woche vorkommen.
Regen: Das Training fällt nicht aus, es wird kürzer und läuft ohne Standzeiten. Die Kinder stört Regen weniger als das Warten im Regen. Die bewegte Zwischenform, Passen, Dribbling, Torschuss, ist bei fünf Grad wichtiger als im Mai, weil dabei niemand auskühlt.
Kälte: Kein Kreis am Anfang. Erst laufen lassen, dann reden, und die Ansage findet in Bewegung statt.
Dunkelheit: Wenn nur ein Teil des Platzes beleuchtet ist, bau alle Felder dorthin und mach sie kleiner. Ein kleines beleuchtetes Feld schlägt ein großes im Halbdunkeln.
Der Platz ist belegt: Klär vorher, wem er wann gehört, und halte eine Fassung deiner Einheit auf einem Viertel Platz bereit. Bei uns hängt das auch davon ab, welches Material gerade auf dem Feld steht und welches woanders benutzt wird, und dann muss ich eben improvisieren. Die Fassung besteht aus denselben Formen wie der Ablauf der ersten Trainingseinheit, nur auf kleineren Feldern und mit weniger Kindern je Feld:
| Block | Auf dem halben Platz | Auf dem Viertel |
|---|---|---|
| Warmkicken | schießen auf alle Tore, die stehen | gleich, nur mit der Hälfte der Bälle, sonst liegen sie alle im Nachbarfeld |
| Zwei gegen zwei | vier Felder, vier Tore je Feld | vier Felder, halb so groß, Hütchentore statt Mini-Tore, wenn die Tore nicht mehr passen |
| Drei gegen drei | zwei größere Felder | bleibt zwei gegen zwei auf den vier kleinen Feldern, der Umbau fällt weg |
| Freies Spiel | zwei Felder | ein Feld, zwei Mannschaften spielen, die anderen zwei machen daneben die Zwischenform, nach fünf Minuten wird getauscht |
Wenn nichts davon reicht, weil ein Kind an dem Abend laufend über die Grenze geht, hilft kein weiteres Feld mehr. Dann ist die Frage eine andere: Was passiert, wenn einer frech wird, jemanden umtritt oder beleidigt? Das steht im nächsten Kapitel, Regeln, Ton und Grenzen.
Quelle zum Betreuungsschlüssel (ein Begleiter je vier Bambini, einer je sechs F-Junioren, kein „Fußball-Background“ nötig, für E keine Zahl): Deutscher Fußball-Bund, Trainingsphilosophie Deutschland. Entwicklung individueller Qualität, Fassung vom 14. Oktober 2024, Seiten 11 und 64, abgerufen am 19. September 2026. Dass Bambini die G-Junioren sind: § 5 der DFB-Jugendordnung, Stand 21. August 2026. Die Ansagezeiten, die Handgriffe und die Winterfälle sind Erfahrung aus Patricks Training, keine Vorgabe des Verbands.
Häufige Fragen
Wie viele Kinder kann ein Trainer allein trainieren?
Der DFB nennt in der Trainingsphilosophie Deutschland einen Begleiter je vier Kinder bei den Bambini und einen je sechs in der F-Jugend, für die E-Jugend keine Zahl. Für vierzehn Kinder heißt das drei Erwachsene in der F und vier in der G. Gemeint sind Eltern, die mit ins Training kommen, ohne Fußballwissen.
Wie lange darf eine Ansage im Kindertraining dauern?
Aus meinem F-Jugend-Training: Nach etwa dreißig Sekunden schaut das erste Kind weg, nach einer Minute ist ein Drittel woanders, und wer zwei Minuten erklärt, erklärt danach noch einmal. Bei Fünfjährigen sind es dreißig Sekunden, bei Zehnjährigen zwei Minuten. Länger geht bei uns nicht.
Was mache ich, wenn die Kinder im Training nicht zuhören?
Die Ansage abbrechen und zeigen. Zwei Kinder vormachen lassen, den Rest anfangen lassen. Wenn es nicht am Zuhören liegt, sondern am Warten, hilft ein zweites Feld mehr als jeder Satz. Wenn ein Kind laufend über die Grenze geht, ist das ein anderes Thema, und das steht im Kapitel zu Regeln, Ton und Grenzen.
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