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Trainingsphilosophie Deutschland: was der DFB dir sagt

Drei Merkmale, 48 Minuten Nettospielzeit, mehrere Felder: was der DFB neuen Trainern vorgibt, was die Zahl gerechnet heißt und wie du deine Einheit prüfst.

11 Min. Lesezeitvon

„Muss ich mir das alles selbst ausdenken?“ Nein. Es gibt eine ausformulierte Philosophie des Verbands, sie heißt Trainingsphilosophie Deutschland, sie ist für genau deinen Dienstagabend gemacht und nicht für den Leistungsbereich, und dahinter steht sehr viel Material, das nichts kostet. Das Material ist gut, und in meiner Umgebung kannte es fast niemand, der gerade zum ersten Mal vierzehn Kinder vor sich hatte.

Das ist die lange Fassung von Kapitel 05 aus meinem Leitfaden für Elterntrainer. Dort stehen die vier Sätze für Dienstag. Hier steht, was der Verband sagt, woran du es auf dem Platz erkennst und was die 48 Minuten gerechnet bedeuten.

Kleiner machen, damit mehr passiert

Der Kern ist immer derselbe Gedanke: kleiner machen, damit mehr passiert. Weniger Kinder je Feld, kürzere Wege, mehr Tore, mehr Entscheidungen. Spielen statt Üben, und Üben nur dort, wo das Spiel es nicht von selbst hergibt. Die Schrift beschränkt sich deshalb auf Spielformen vom 1 gegen 1 bis zum 4 gegen 4, und sie sagt auch, warum: In diesen kleinen Formen kommt jedes Kind auf ein Vielfaches der Aktionen, die es im 7 gegen 7 hätte.

Dazu gehört ein zweiter Gedanke, der weniger bekannt ist. Kinder sollen möglichst oft in Situationen kommen, in denen sie selbst entscheiden müssen. Sehen, abwägen, machen, ohne dass jemand von außen ruft. Deshalb sind die Formen klein, deshalb gibt es mehr als ein Tor, und deshalb steht der Trainer daneben und nicht davor. Mir hat der Kurs zum Kindertrainer-Zertifikat da ein Stück weit die Augen geöffnet: Kinder lernen Fußball nicht, indem wir Erwachsenen ihnen jede Lösung vorsagen. Gehört habe ich von der Trainingsphilosophie überhaupt zum ersten Mal in diesem Kurs, und danach habe ich im Internet weiter recherchiert.

Freude, Intensität, Wiederholung: woran du sie am Dienstag siehst

Der Verband nennt drei Qualitätsmerkmale, an denen sich jede Einheit messen lassen soll: Freude, Intensität und Wiederholung. Brauchbar werden die drei Wörter, wenn man sie in etwas übersetzt, das man vom Rand aus sehen kann.

Freude heißt beim DFB etwas Bestimmtes: Es wird auf Tore gespielt, jedes Spiel fängt bei 0:0 an, jedes Kind hat viele Aktionen, und die Kinder haben Freiheiten beim Lösen einer Situation. Am Dienstag siehst du das daran, dass gejubelt wird, von mehr als zwei Kindern. Wo auf Hütchen gespielt wird, jubelt niemand.

Intensität heißt hohe Nettospielzeit ohne Standzeiten. Dafür nennt der Verband die brauchbarste Zahl des ganzen Textes, und sie bekommt gleich einen eigenen Abschnitt. Am Dienstag siehst du Intensität daran, dass keine Schlange steht.

Wiederholung heißt: Besser werden Kinder nur über viele Aktionen. Der DFB rechnet auf Seite 9 vor, dass ein Kind in einer Einheit mit 3-gegen-3-Formen auf rund 200 Ballaktionen kommt und im 7 gegen 7 auf rund 50. Die Tabelle nennt keine Erhebung dahinter, es ist die Rechnung des Verbands. Was das für die Reihe am Hütchen heißt, steht in Warum die Kinder in der Reihe stehen. Am Dienstag siehst du Wiederholung, wenn du zehn Minuten lang mitzählst, wie oft das schwächste Kind am Ball ist.

Die drei Merkmale, die Beobachtung dazu und die Frage für die Rückfahrt in einer Tabelle:

MerkmalWoran du es am Dienstag siehstDie Frage nach dem Training
Freude: auf Tore, bei 0:0, die Kinder entscheiden selbstEs wird gejubelt, von mehr als zwei KindernHätte ich zwei Kinder aus der Gruppe nehmen und ihnen etwas anderes geben müssen?
Intensität: viel Nettospielzeit, keine StandzeitenEs steht keine SchlangeHat ein Kind länger als eine halbe Minute am Stück gewartet?
Wiederholung: viele Aktionen je KindZehn Minuten mitzählen, wie oft das schwächste Kind am Ball warHabe ich mehr geredet als in der Woche davor?

Die 48 Minuten, vorgerechnet

Der Verband will, dass jedes Kind von der U8 bis zur U16 mindestens 48 Minuten je Woche tatsächlich im Spiel ist, ab der U17 mindestens 32. Netto heißt: die Zeit, in der dieses eine Kind spielt. Nicht die Länge der Einheit, nicht die Zeit, in der es zuhört oder in der Reihe steht. Dazu kommt die Empfehlung, mindestens zweimal die Woche zu trainieren, auf mehreren Feldern gleichzeitig. Der Verband knüpft die Zahl ausdrücklich daran.

(Ich persönlich hatte früher meine 48 Minuten Spielzeit hinter mir, bevor ich montags überhaupt aus der Schule gekommen bin.)

Wie das rechnerisch aussieht, kannst du mit dem Ablauf aus dem nächsten Kapitel durchgehen. Er hat in neunzig Minuten rund siebzig Minuten Spielblöcke, der Rest sind Kreis, Trinken und Aufräumen. Vierzehn Kinder, zweimal die Woche wie bei uns, und jede Zeile ist das, was ein einzelnes Kind bekommt:

AufbauWer spielt gleichzeitigNetto je Kind und EinheitJe Woche bei zwei Einheiten
Vier Felder, zwei gegen zwei oder drei gegen dreialle vierzehnrund 70 Minutenrund 140. Die 48 sind nach einer Einheit erreicht
Ein Feld, drei gegen drei, acht Kinder warten am Randsechs von vierzehnrund 30 Minutenrund 60, und mit jedem Ball im Gebüsch weniger
Ein Feld, sieben gegen siebenalle vierzehnrund 70 Minuten auf dem Feld, aber ein Viertel der Aktionendie Minuten stimmen, die Wiederholung nicht
Eine Übungsform mit Reihe: ein Kind schießt, dreizehn warteneinesrund 5 Minutenrund 10

Das ist eine Rechnung, keine Messung, niemand stoppt am Dienstag die Zeit. Aber sie zeigt, warum der Platz, bevor die Kinder kommen, so aussieht, wie er aussieht: Die Felder, die um fünf stehen, sind die Nettospielzeit. Wer nur einmal die Woche trainiert, halbiert die rechte Spalte.

Kein Trainingsplan und keine Ordnung

Die Philosophie sagt dir nicht, was am Dienstag drankommt. Sie sagt, worauf es in einem Alter ankommt und was warten kann, und sie ist deshalb kürzer und gröber, als man erwartet. Es gibt eine Mustereinheit mit einem Übungsblock in der Mitte. Für mich ist das so ein bisschen ein fancy DFB-Ding, und warum es bei uns anders läuft, steht im nächsten Kapitel.

Eine Vorschrift ist sie auch nicht, sondern eine Empfehlung an alle Trainer. Ein Datum, ab dem sie gilt, nennt sie nicht. Die Fassung, die ich benutze, ist vom 14. Oktober 2024, und einen Beschluss dazu habe ich nicht gefunden. Was am Samstag verbindlich ist, steht in der Jugendordnung deines Landesverbands.

Und sie gilt von den Bambini bis zu den A-Junioren, nicht nur für den Kinderfußball. Deshalb bekommt dieser Artikel keine eigene Altersstaffel: Die Philosophie ist eine für alle Stufen, und die Zahlen, die sich je Stufe unterscheiden, stehen in den Kapiteln, die sie brauchen. Wie groß eine Spielform in deiner Stufe höchstens sein soll, steht in Was in welchem Alter dran ist, wie viele Erwachsene du je Kind brauchst, in Vierzehn Kinder, ein Platz.

Das Material dahinter, und der Name, nach dem du suchst

Was hinter der Philosophie an Material steht, ist der eigentliche Gewinn: Sammlungen von Spielformen, Videos, Handreichungen für den Trainingsabend, das meiste davon kostenlos. Mir geben die Flipbooks und die Trainerdialoge des DFB bis heute Anregungen, da findet man immer wieder etwas. Was es im Einzelnen gibt und wo es liegt, ist Kapitel 16 des Leitfadens.

Den Namen nenne ich, weil man dann weiß, wonach man sucht: Hannes Wolf, beim DFB Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung, trägt die Gesamtverantwortung für die Schrift. Wer die Quelle selbst lesen will, sucht nach ihm und nach dem Verband, nicht nach Zusammenfassungen.

Und wenn dir eine Stunde am Bildschirm lieber ist als 70 Seiten: Seit dem 22. August 2026 gibt es die Philosophie als kostenlosen Online-Kurs des DFB, sechzehn kurze Kapitel, ein mein.DFB-Konto reicht. Was drinsteht und was das Zertifikat am Ende wert ist, steht im Artikel zum E-Learning.

Welche Seiten du liest, und welche du lässt

Die 70 Seiten musst du nicht lesen. Für den Anfang reichen drei:

SeiteWas dort stehtWas du davon mitnimmst
8Die drei Merkmale im Wortlaut, die 48 Minuten, mindestens zwei Einheiten je Woche, mehrere FelderDie Sätze für den Elternabend, wenn jemand fragt, warum die Felder so klein sind
9Die Tabelle „Wiederholungszahlen“: 3 gegen 3 gegen 7 gegen 7, je Einheit und hochgerechnetDie Zahl 200 gegen 50, für den Abend, an dem du selbst schwankst
11Die Höchstgröße der Spielform je Altersklasse, der Betreuungsschlüssel, die Einteilung der Felder nach Entwicklungsstand statt nach JahrgangDie Antwort auf „Wie viele Erwachsene brauche ich?“ und „Darf ich nach Stärke einteilen?“

Die Interviews, die Grafik zu den U23-Einsätzen auf Seite 6 und alles, was erst ab der C-Jugend gilt, kannst du lassen.

Warum es das überhaupt gibt

Und hier kommt eine Meinung, die ich als solche kennzeichne: Die Problemanalyse des DFB ist gut. Der Verband nennt auf Seite 6 zwei Gründe. Zu wenige deutsche U21-Spieler bekommen in den Profiligen Einsatzzeit, und zu viele Kinder hören ab der D-Jugend wieder auf. Für beides sieht er die Ursache in der Ausbildung, und er schreibt das ohne die üblichen Ausflüchte hin. Der zweite Grund ist der, der dich betrifft.

Man muss die Schlüsse nicht in jedem Punkt teilen, um von der Analyse etwas zu haben. Ich teile sie weitgehend. Was ich nicht teile, ist die Dosis. Manches von dem, was der DFB zeigt, ist für den Breitensport ein bisschen viel, für die F- und G-Jugend erst recht. Wichtiger als die Schlüsse ist aber, dass jemand die Arbeit gemacht hat, dass das Ergebnis öffentlich ist und dass es dich nichts kostet. Das ist der Grund, warum die Empfehlungen in Kapitel 16 überhaupt Gewicht haben.

Eine Form, nicht zehn

Wie du das Material praktisch benutzt: Nimm dir eine Form heraus. Bau sie am Dienstag auf, sieh, was passiert, und behalte sie, wenn sie funktioniert hat. Nach zehn Wochen hast du zehn Formen, die du kennst, und das ist mehr wert als eine Sammlung von hundert, die du nie ausprobiert hast.

Ausprobiert habe ich zuerst zwei gegen zwei und eins gegen eins mit Überzahl. Bei uns läuft so zum Beispiel auch das Spiel mit dem Angriffsrecht: zwei Teams auf ein Tor, ich stehe im Mittelfeld als Anspielstation, und wer den Ball erobert, spielt erst zu mir, bevor er angreifen darf. Wie die Form läuft und wie du sie leichter und schwerer machst, steht in F-Jugendtraining: Tipps für Trainer.

Was daraus für Dienstag folgt

Vier Sätze, meine Kurzfassung und kein Verbandstext:

  1. Mehr Bälle als Kinder in der Warteschlange. Wenn ein Kind wartet, ist die Form falsch.
  2. Kleine Felder, kleine Mannschaften. Zwei gegen zwei und drei gegen drei sind die Form, in der Kinder am meisten lernen.
  3. Spielformen vor Übungsformen. Wer eine Sache üben will, sucht zuerst das Spiel, in dem sie vorkommt.
  4. Du redest weniger, als du glaubst. Alles, was du erklärst, fehlt an Spielzeit.

Wenn du dir nur einen davon merkst, nimm den ersten. Bei uns lag es meistens an ihm, wenn eine Einheit schlecht war.

Woran du merkst, dass du danach arbeitest, ohne jemanden zu fragen: Du kannst am Ende einer Einheit ungefähr sagen, wie oft das schwächste Kind am Ball war. Kannst du das nicht, hast du zugesehen.

Wie du deine eigene Einheit dagegen prüfst

Drei Fragen nach dem Training, auf der Rückfahrt beantwortet, dieselben wie in der rechten Spalte der Tabelle oben:

  1. Hat ein Kind länger als eine halbe Minute am Stück gewartet?
  2. Habe ich mehr geredet als in der Woche davor?
  3. Hätte ich zwei Kinder aus der Gruppe nehmen und ihnen etwas anderes geben müssen?

Drei Nein sind eine gute Einheit. Ein Ja ist ein Hinweis auf den nächsten Dienstag, kein Urteil über diesen.

Woran Eltern von außen erkennen sollen, dass ihr danach arbeitet, steht im Gegenstück zu diesem Text im Elternleitfaden: Trainingsphilosophie Deutschland: was Eltern am Platz sehen. Diese Sicht zu kennen hilft am Elternabend.

Wenn du weißt, wonach du trainierst, bleibt die Frage, was du am Dienstag konkret aufbaust. Das ist das nächste Kapitel, von der ersten bis zur letzten Minute: Die erste Trainingseinheit.

Quelle für die drei Qualitätsmerkmale, die Nettospielzeiten von 48 und 32 Minuten und die Empfehlung zu zwei Einheiten je Woche auf mehreren Feldern: Deutscher Fußball-Bund, Trainingsphilosophie Deutschland. Entwicklung individueller Qualität, Fassung vom 14. Oktober 2024, Seite 8; die Tabelle „Wiederholungszahlen“ Seite 9, die beiden Gründe und die Grafik zu den U23-Einsätzen Seite 6, Spielformgrößen, Betreuungsschlüssel und die Einteilung der Felder Seite 11, Hannes Wolf als Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung Seite 5 und mit der Gesamtverantwortung im Impressum Seite 69; abgerufen am 7. September 2026. Die Amtsbezeichnung ist am 20. September 2026 auf der Seite des DFB zur Trainingsphilosophie Deutschland gegengeprüft. Der Online-Kurs nach der Meldung des DFB vom 22. August 2026. Die Rechnung mit den vierzehn Kindern und den siebzig Minuten ist meine, keine Angabe des Verbands.

Häufige Fragen

Muss ich als Elterntrainer die ganze Trainingsphilosophie Deutschland lesen?

Nein. Die Schrift hat 70 Seiten, und für den Anfang reichen drei davon: Seite 8 mit den drei Merkmalen und den 48 Minuten, Seite 9 mit der Tabelle zu den Ballaktionen, Seite 11 mit den Spielformgrößen je Altersklasse und dem Betreuungsschlüssel. Wer lieber eine Stunde am Bildschirm sitzt, macht den kostenlosen Online-Kurs des DFB dazu.

Was heißt 48 Minuten Nettospielzeit pro Woche?

Die Zeit, in der ein einzelnes Kind tatsächlich im Spiel ist, zusammengezählt über die Woche. Zuhören, in der Reihe stehen, auf den Ball warten zählt nicht. Der DFB setzt die Zahl für die U8 bis zur U16 an, ab der U17 sind es 32 Minuten, und er sagt dazu, dass sie ohne mehrere Felder gleichzeitig nicht zu erreichen ist.

Ist die Trainingsphilosophie Deutschland verbindlich?

Nein. Sie ist eine Empfehlung des DFB an alle Trainer, keine Ordnung. Was am Samstag im Spielbetrieb gilt, steht in der Jugendordnung des DFB und in den Bestimmungen deines Landesverbands. Ein Datum, ab dem die Philosophie gilt, nennt die Schrift nicht. Die Fassung, die ich benutze, ist vom 14. Oktober 2024.

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