Spielfest: der Ablauf für Eltern
Wie ein Spielfest abläuft: wann ihr da sein solltet, warum die Mannschaften das Feld wechseln, wie lang der Vormittag wird und was in die Tasche gehört.
10 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
„Samstag ist der erste Spieltag. Wann müssen wir da sein, und was passiert da eigentlich?“ Ein Spielfest ist kein Spiel, sondern ein Vormittag aus vielen kurzen Spielen auf mehreren Feldern nebeneinander. Ihr seid eine halbe bis eine Dreiviertelstunde vor dem ersten Anpfiff da, nach drei Minuten Pause geht es jeweils weiter, die Mannschaften wechseln nach jedem Spiel das Feld, und nach anderthalb bis zwei Stunden Ball ist es vorbei.
Was du aus dem Fernsehen kennst, ein Anpfiff, zwei Halbzeiten, ein Ergebnis, kommt erst ab der E-Jugend. In Hessen auch dort nicht mehr lange: Ab der Spielzeit 2027/28 spielen die E-Junioren nur noch sechs gegen sechs, und das Spielfest ist auch bei ihnen die Form, die der Verband bevorzugt.
Das hier ist Kapitel 07 des Elternleitfadens in lang. Dort steht die Antwort in fünf Sätzen, hier steht der Vormittag.
Spielfest oder Turnier
Die offizielle Runde in der G- und der F-Jugend besteht aus Spielfesten. Turniere gibt es zusätzlich, und die laufen anders: im Winter in der Halle, am Saisonende, in den Schulferien an Ostern und Pfingsten.
Und der Unterschied, der Kinder am meisten beschäftigt: Beim Spielfest gibt es keine Urkunden und keine Medaillen, und es gibt keine Platzierung. Die gibt es bei uns nur bei Turnieren.
Was der Verband vorschreibt, am Beispiel Hessen
Wie ein Spielfest läuft, legt jeder Landesverband selbst fest. Hessen schreibt es in den Allgemeinen Durchführungsbestimmungen für die G-, F- und E-Junioren vor, Spielzeit 2026/27, Fassung vom 10. Juli 2026, und weil unser Verein dort spielt, steht hier diese Fassung. Bei deinem Verband kann es anders aussehen. Veröffentlicht wird das meist auf der Seite deines Landesverbands unter „Durchführungsbestimmungen Kinderfußball“ oder „Neue Wettbewerbsformen“.
| Alter | Spielform am Spieltag | Je Spiel | Runden und Pausen |
|---|---|---|---|
| 3–4 Jahre | Kein Spielbetrieb. Was Vereine unterhalb der Bambini anbieten, ist Vereinssache | – | – |
| 5–6 Jahre (G, Bambini) | 3 gegen 3 auf vier Minitore, Feld 25 mal 20 Meter, ein bis zwei Auswechselspieler | höchstens 7 Minuten | bis zu 7 Runden, dazwischen etwa 3 Minuten |
| 7–8 Jahre (F) | 4 gegen 4 auf vier Minitore, Feld 40 mal 25 Meter, ein bis drei Auswechselspieler. Wahlweise 5 gegen 5 mit Torwart auf abgehängte Jugendtore | höchstens 10 Minuten | bis zu 7 Runden, dazwischen etwa 3 Minuten |
| 9–10 Jahre (E) | 6 gegen 6 mit Torwart auf Jugendtore, Feld 50 mal 30 Meter, als Spielfest oder als einzelnes Spiel | 4 mal 15 oder 2 mal 25 Minuten | je nach Form |
Warum eure Mannschaft auf Feld 4 anfängt
Die Felder sind nummeriert, und nach jedem Spiel wird getauscht: Wer gewinnt, rückt ein Feld nach oben, wer verliert, ein Feld nach unten. Nur zwei Mannschaften bleiben stehen, der Sieger auf dem höchsten Feld und der Verlierer auf Feld 1. Bei einem Unentschieden steigt auf, wer das letzte Tor gemacht hat. Steht es 0:0, entscheidet Schere, Stein, Papier, und das ist kein Einfall des Gastgebers, das steht so in den Bestimmungen.
Vor dem Spieltag teilt der Veranstalter die Mannschaften nach Schulnoten von 1 bis 6 ein, und die stärksten beginnen auf einem mittleren Feld. Das Feld sagt also nichts darüber, wie gut eure Mannschaft ist. Es sagt nur, gegen wen sie gerade spielt, und nach zwei, drei Spielen hat sich das eingependelt.
Was am Platz erst mal befremdet
Anpfiff und Abpfiff kommen für alle Felder gleichzeitig vom Turnierleiter, deshalb pfeift irgendwer in der Mitte. Das Spiel beginnt, indem ein Betreuer den Ball an der Mittellinie ablegt, einen Anstoß gibt es nicht. Es gibt keinen Einwurf, kein Abseits und keinen Elfmeter. Ein Tor zählt nur aus der Schusszone vor dem Tor, Eigentore zählen immer.
Jede Mannschaft stellt einen Feldbetreuer, der mit ihr das Feld wechselt. Vor und nach dem Spiel geben sich die Kinder die Hand. Ergebnisse und Tabellen der G-, F- und E-Junioren dürfen nicht im DFBnet veröffentlicht werden. Bei uns zählen viele Trainer nicht einmal richtig mit. Die Kinder zählen aber natürlich schon. Hin und wieder muss man auch mal einen Streit schlichten.
Wird 5 gegen 5 mit Torwart auf Jugendtore gespielt, gelten die Regeln für Jugendspiele. Es gibt einen Strafraum und auch Ecken.
Der Abend davor
Am Abend zuvor packst du die Tasche. Kickschuhe, Socken, Klamotten, eventuell das Trikot, falls der Verein es vorher ausgibt. Ansonsten nur Trainingsklamotten, Wasser und ein bisschen Geld. In der G-Jugend packen wir die Taschen zu hundert Prozent für die Kinder. In der F-Jugend kannst du dein Kind daran erinnern, es selbst zu machen, und musst hinterher trotzdem nachsehen.
Die letzten Informationen stellen die Trainer abends noch einmal in die WhatsApp-Gruppe oder die Vereins-App. Sieh da rein, da ändert sich stellenweise kurzfristig noch etwas. Und dann geht es direkt ins Bett. Die Spieltage der G- und der F-Jugend sind immer relativ früh, Samstag oder Sonntag.
Der Vormittag, an einem echten Tag
Der Anpfiff ist ein fester Termin, Abpfiff und Abfahrt sind oft flexibel. Bei einem Auswärtsspieltag treffen wir uns eine halbe Stunde vor dem ersten Pfiff, das sagt der Trainer an. Vor Ort hängt der Spielplan aus oder kommt per WhatsApp, und ich hole mir einen Kaffee und genieße das Wetter.
Unser letzter: F-Jugend, Spätsommer, ein Verein im Hintertaunus. Losgefahren um 8:15 Uhr, um 8:45 Uhr waren wir da, Spielbeginn 9:30 Uhr. Wir haben uns in Ruhe umgezogen und zum Warmmachen 3 gegen 3 auf einen Torwart gekickt. Währenddessen hat der Veranstalter weiter aufgebaut, und die anderen Vereine sind gekommen. Bis auf einen.
Deshalb waren wir am Ende vier Vereine statt fünf, und es wurde vor Ort umgeplant: drei Spiele Vorrunde, drei Spiele Rückrunde. Eine gerade Anzahl von Teams ist natürlich ideal, denn sonst sitzt immer eine Mannschaft am Rand und schaut zu. Das lässt sich aber auch nicht immer vermeiden.
Wir hatten zwei Auswechselspieler, im Kinderfußball heißen sie Rotationsspieler, die nach und nach reinkamen. Und als eine Mannschaft höher führte, durfte die andere mit einem zusätzlichen Spieler weiterspielen. Das ist die Regel: ab drei Toren Unterschied ein Spieler mehr, bis der Abstand wieder kleiner ist. Ich warte als Trainer nicht immer bis zum dritten Tor. Wenn man zum zweiten Mal gegen dieselbe Mannschaft spielt und vorher schon klar ist, wer unterlegen ist, kann der zusätzliche Spieler früher kommen, und wenn es sofort so weitergeht, auch gleich noch ein weiterer Spieler oder eine weitere Spielerin.
In der Pause gab es Waffeln und Brezeln. Nach drei weiteren Spielen waren die Kinder glücklich, zufrieden und ein bisschen fertig. Sie haben zusammengesessen, sich umgezogen, die Reste gegessen, und dann sind alle nach und nach aufgebrochen. Der Trainer geht am Ende noch einmal durch die Kabine, da bleiben immer Hosen, Jacken, Schoner und Kickschuhe liegen. Um 12:30 Uhr standen wir wieder vor der Haustür: gut vier Stunden von Tür zu Tür für sechs Spiele à zehn Minuten.
Wenn ihr Gastgeber seid
Beim Heimspieltag sind wir anderthalb Stunden vorher da, weil aufgebaut werden muss: die Felder, die Minitore, Hütchen für die Schusszonen. Die Minitore bringen die Vereine zum Teil selbst mit. In Hessen soll jeder Verein je Mannschaft zwei eigene Minitore dabeihaben, wenn der Veranstalter nichts anderes sagt. Deshalb schleppen am Samstagmorgen Eltern Tore aus dem Kofferraum.
Der Gastgeber hat sich Mühe gegeben, hat vielleicht Kuchen gebacken, und er möchte davon auch etwas verkaufen. Aufbau, Waffelstand, Abbau: Das übernehmen Eltern, und man sagt einmal von sich aus, dass man hilft, statt zu warten, bis man gefragt wird. Auswärts wird davon nichts erwartet. Da reicht es, den Kindern Mut zu machen, sie zu trösten, wenn sie verlieren, und sich mit ihnen zu freuen, wenn sie gewinnen.
Wie lange ein Spieltag dauert
In Hessen deckelt der Verband die Spiele, nicht den Vormittag. Sieben Runden zu zehn Minuten plus die Pausen sind knapp anderthalb Stunden Ball, alles andere hängt daran, wie viele Mannschaften da sind, wie viele Kinder, und wie lang die Pausen werden. Bei uns dauert ein Spieltag in der G-Jugend ungefähr neunzig Minuten, in der F-Jugend eher zwei Stunden, und dazu kommt, was davor und danach passiert. Andere Verbände halten das anders: Württemberg begrenzt den Spieltag selbst, bei den Bambini auf zweieinhalb, in der F-Jugend auf drei Stunden. Bayern begrenzt die Spielzeit je Kind und Tag, in der G- und F-Jugend auf 80 Minuten.
Wie viel dein Kind davon spielt: Bei vier Mannschaften kommt bei uns ein Kind auf rund eine Stunde, bei fünf auf etwa achtzig Minuten. Gewechselt wird fliegend, bei beiden Mannschaften, normalerweise in einer festen Reihenfolge. Wie sich das mit der Kadergröße rechnet und was du tust, wenn dein Kind trotzdem oft draußen sitzt, steht in Einsatzzeiten im Kinderfußball.
Was Eltern am Rand tun
In der Theorie spielen die Kinder allein. Die Betreuer helfen beim Wechseln, in den Trinkpausen und beim Auf- und Abstieg zwischen den Feldern, und bei Unklarheiten. So steht es in den Bestimmungen, und dazu kommen die drei Fair-Play-Regeln aus der Jugendordnung des DFB: eine für die Kinder als Schiedsrichter, eine für die Trainer, eine für die Fans.
Nebenbei: Bei uns geht die meiste Zeit beim An- und Ausziehen der Torwarthandschuhe verloren.
Die Bestimmungen sehen die Kinder also ohne Anleitung von Trainern und Eltern. Am Platz wird trotzdem viel gecoacht, auch von Eltern. Was du rufen kannst und was du besser lässt, steht in Was am Spielfeldrand hilft und was schadet. Hier nur so viel: Anfeuern ja, Anweisen nein.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass viele Eltern sich wünschen, dass ihre Kinder besser Fußball spielen, und es ist für Eltern oft schmerzhaft, die Kinder einfache Fehler machen zu sehen. Aber es ist so, dass in der G-Jugend und auch in der F-Jugend nicht alle Kinder immer hundertprozentig im Spiel sind und voll mitmachen.
Fahrgemeinschaften
Bei weiten Fahrten lohnen sich Fahrgemeinschaften, und ab der F-Jugend gehen sie leichter. Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr, die kleiner als 1,50 Meter sind, brauchen im Auto eine Rückhalteeinrichtung (§ 21 Absatz 1a der Straßenverkehrsordnung, Stand September 2026). Bei uns ist das ab der F-Jugend eine Sitzerhöhung, und die passt in jedes Auto.
Was in die Tasche gehört
- Kickschuhe. Ohne die aufzulaufen ist extrem ärgerlich
- Schienbeinschoner und Stutzen
- Im Herbst und im Frühjahr eine Jacke
- Eine Regenjacke, unabhängig vom Wetterbericht
- Zwei Flaschen Wasser, nicht eine
- Müsliriegel oder etwas anderes, wofür man keine Gabel braucht
Torwarthandschuhe musst du nicht zwangsläufig kaufen: Wir haben ein Paar dabei, der Torwart wird durchgewechselt, und jedes Kind, das will, kommt dran. Ganz selten gibt es eins, das nur ins Tor möchte. Vor Ort gibt es oft Brezeln. Manchmal sind sie ausverkauft, weil noch zwei Spieltage parallel laufen, und deshalb der Riegel.
Spielerpässe gab es früher, jetzt ist alles digital.
Warum auf vier Tore, ohne Torwart und ohne Ergebnis gespielt wird, ist die andere Hälfte dieser Geschichte: Funino: was Eltern am Spielfeldrand sehen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Spielfest?
In Hessen sind es bis zu sieben Runden zu höchstens sieben Minuten in der G- und zehn Minuten in der F-Jugend, dazwischen etwa drei Minuten Pause, also knapp anderthalb Stunden Ball. Bei uns dauert ein Spieltag in der G-Jugend ungefähr neunzig Minuten, in der F-Jugend eher zwei Stunden, und dazu kommen Umziehen, Warmmachen und Kabine. Unser letzter Auswärtsspieltag waren gut vier Stunden von Tür zu Tür.
Wann müssen wir beim Spielfest da sein?
Auswärts sagt der Trainer den Treffpunkt an, bei uns eine halbe bis eine Dreiviertelstunde vor dem ersten Anpfiff. Als Gastgeber seid ihr anderthalb Stunden vorher da, weil Felder, Minitore und Hütchen erst aufgebaut werden müssen.
Warum wechseln die Mannschaften beim Spielfest das Feld?
Wer gewinnt, rückt ein Feld nach oben, wer verliert, ein Feld nach unten. Vor dem Spieltag teilt der Veranstalter die Mannschaften nach Stärke ein, damit jedes Kind gegen ähnlich starke spielt. Das Feld ist also keine Platzierung. So steht es in den hessischen Durchführungsbestimmungen vom 10. Juli 2026; bei deinem Verband kann es anders geregelt sein.
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