Funino: was Eltern am Spielfeldrand sehen
Vier Tore, drei gegen drei, kein Torwart, kein Ergebnis: was beim Spielfest passiert, warum es so aussieht und was du dazu sagen kannst.
10 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
„Ich stehe zum ersten Mal an so einem Spielfest. Vier kleine Tore, drei gegen drei, keiner zählt mit. Was passiert hier gerade?“ Das, was der DFB seit der Spielzeit 2024/25 vorschreibt: kleines Feld, vier Tore, drei Kinder je Seite, kein Torwart, kein Ergebnis. Der Grund dafür lässt sich zählen. In einem Spiel drei gegen drei passiert am Ball viel mehr als in einem sieben gegen sieben, und ein Kind wird durch Ballkontakte besser. Auf einem großen Feld mit vielen Mitspielern hat es kaum welche.
Das Wort Funino steht dabei in keiner Ordnung. Die Jugendordnung des DFB sagt Kleinfeldfußball auf Mini-Tore, Hessen sagt Spielfest, und in seinem Trainingsheft benutzt der DFB das Wort dann doch. Am Platz sagt jeder Funino. Das hier ist Kapitel 08 des Elternleitfadens.
Was du siehst
Es wirkt erst mal unübersichtlich. Auf drei oder vier Feldern läuft gleichzeitig etwas, die Spiele sind nach sieben oder zehn Minuten vorbei, die Mannschaften wechseln das Feld, und dauernd geht ein Kind raus und ein anderes rein. Irgendwer in der Mitte pfeift für alle Felder gleichzeitig an und ab. Niemand schreibt mit. Es gibt kein Abseits, keinen Einwurf, keinen Elfmeter, und es fallen viel mehr Tore, als du gewohnt bist.
Beim zweiten Hinsehen siehst du mehr. Wie eine Mannschaft aufgestellt ist und was ihr Trainer hineinruft, verrät, worauf er aus ist: ob die Kinder spielen dürfen oder ob die Mannschaft auf Ergebnis gestellt ist. Das ist eine Beobachtung und kein Urteil. Was du tust, wenn dir der Ton eines Trainers nicht passt, ist ein eigenes Kapitel: Wenn der Trainer schreit.
Wie ein Trainer so eine Einheit aufbaut, warum bei uns auch im Training vier Tore stehen und was er am Rand sagen darf, steht im Trainerleitfaden.
Die Zahl, die alles trägt
Wer je gesehen hat, wie ein Siebenjähriger in der Abwehr eine halbe Stunde lang zusieht, weiß, wovon die Rede ist. Auf dem großen Feld stehen zehn Kinder um den Ball und vier daneben, und einer davon seit Minuten.
Gezählt worden ist das im Pilotprojekt des DFB, ausgewertet für U7-Mannschaften: 23 Spiele im drei gegen drei gegen 16 Spiele im sieben gegen sieben. Je Spielminute fielen im drei gegen drei doppelt so viele Dribblings (3,1 gegen 1,6), gut ein Drittel mehr Torschüsse (1,4 gegen 1,0) und mehr als doppelt so viele Tore (0,6 gegen 0,3). Nur gepasst wurde kaum häufiger. Und das mit sechs Kindern auf dem Feld statt vierzehn. (Lex, Simon und Schwab, German Journal of Exercise and Sport Research, 2022; am 28.08.2026 an der Studie selbst geprüft.)
Warum vier Tore
Damit dein Kind den Kopf hebt. Bei einem Tor gibt es eine Richtung, und wer den Ball hat, rennt hin. Bei zwei Toren auf jeder Seite muss es entscheiden: Steht der Verteidiger links, ist rechts offen. Zu dritt lassen sich zwei Tore nicht zustellen. Das ist der ganze Trick, und niemand muss dafür das Wort Taktik sagen.
Die Tore sind klein, weil niemand drinsteht. Größe und fehlender Torwart sind eine Entscheidung, nicht zwei. Die Kinder selbst würden übrigens anders wählen: Lässt man sie, nehmen sie bei uns das Jugendtor statt des Minitors und das große Tor statt des Jugendtors, jedes Mal. Der Reiz ist das Tor. Wie oft ein Kind trifft, entscheidet trotzdem nicht das Maß, sondern wer davorsteht.
Warum kein Torwart
Zwei Gründe, und beide zählen für dein Kind. Der Torwart hat die wenigsten Ballaktionen auf dem Platz. Ein Kind, das eine Halbzeit im Tor steht, lernt in dieser Zeit nicht Fußball spielen, es steht dabei. Und ohne Torwart trifft auch das schwächere Kind. Steht ein starkes Kind im Tor, schießt das schwächere über den ganzen Vormittag kein einziges Tor. Das Erfolgserlebnis ist der eigentliche Grund für die leeren Tore, und es ist der Satz, der am Spielfeldrand am schnellsten verstanden wird.
Das gilt für die G-Jugend und für das drei gegen drei der F-Jugend. Sobald auf Kleinfeldtore gespielt wird, steht wieder einer drin, dazu gleich mehr.
Es ist mir persönlich immer wieder eine Freude zu sehen, wie Kinder dann auch das erste Tor schießen. Viele Kinder würden gegen einen echten Torwart nicht treffen. Aber auf die Minitore kommen sie zum Torerfolg.
Warum vier gegen drei erlaubt ist
Ab drei Toren Unterschied bekommt die unterlegene Mannschaft ein Kind mehr, bis der Abstand wieder kleiner ist. So steht es in Hessen (Durchführungsbestimmungen G-, F- und E-Junioren 2026/27, Fassung vom 10.07.2026) und so ähnlich in Bayern, Berlin, Bremen und Württemberg; in dreien davon darf stattdessen die führende Mannschaft ein Kind herunternehmen. Die Regel gilt den Kindern, die es gerade schwerer haben. Ein Spiel, das zweistellig ausgeht, bringt keiner Seite etwas, der unterlegenen am wenigsten.
Bei uns warten die Trainer nicht immer bis zum dritten Tor. Wenn vorher klar ist, wer unterlegen ist, kommt der zusätzliche Spieler früher, und wenn es so weitergeht, noch einer. Wie das an einem echten Vormittag aussieht, von der Abfahrt bis zur Kabine, steht im Artikel zum Spielfest.
Was in welchem Alter gilt
Die Antwort von oben, vier Tore, drei gegen drei, kein Torwart, kein Ergebnis, gilt für zwei der vier Stufen. Der DFB legt in seiner Jugendordnung je Altersklasse eine Spanne fest, verbindlich seit der Spielzeit 2024/25, und der Landesverband wählt daraus aus. Die Tabelle nennt den Rahmen des DFB (Anhang IV, Stand 21.08.2026) und dahinter, was Hessen für 2026/27 daraus gemacht hat.
| Alter | Spielform | Tore | Torwart | Wie lange |
|---|---|---|---|---|
| 3–4 Jahre (vor G) | Kein Spielbetrieb. Was Vereine für Minikicker anbieten, ist Vereinssache | – | – | – |
| 5–6 Jahre (G, Bambini) | 2 gegen 2 oder 3 gegen 3. Hessen: 3 gegen 3, Feld 25 mal 20 Meter, ein bis zwei Rotationsspieler | Vier Minitore, höchstens 2 mal 1,2 Meter | Nein | Bis zu sieben Durchgänge à höchstens fünf Minuten im 2 gegen 2, sieben mal sieben Minuten im 3 gegen 3. Gewechselt wird nach jedem Tor oder spätestens nach zwei Minuten |
| 7–8 Jahre (F) | 3 gegen 3, 4 gegen 4 oder 5 gegen 5. Hessen: 4 gegen 4 auf Minitore, Feld 40 mal 25 Meter, wahlweise 5 gegen 5 mit Torwart | Vier Minitore oder zwei Kleinfeldtore, möglichst auf 1,65 Meter abgehängt | Bei Minitoren nein, bei Kleinfeldtoren ja | Bis zu sieben Durchgänge à höchstens zehn Minuten. Gewechselt wird nach jedem Tor oder spätestens nach zwei Minuten |
| 9–10 Jahre (E) | 4 gegen 4 bis 7 gegen 7. Hessen: 6 gegen 6 mit Torwart, Feld 50 mal 30 Meter, spätestens ab 2027/28 nur noch so | Zwei Kleinfeldtore, dazu wahlweise vier Minitore | Ja | Liga: vier mal 15 oder zwei mal 25 Minuten. Spielfeste: sechs mal 10 bis 12 Minuten, gewechselt wird nach drei Minuten |
Bei den Neun- und Zehnjährigen hat dein Kind also wieder ein Kleinfeldtor vor sich und einen Torwart darin, und die Spiele werden lang. Vier Tore und kein Torwart beschreiben keinen Grundsatz der Reform. Sie beschreiben eine Stufe, aus der die Kinder herauswachsen, und die Form wird zurückgenommen, sobald die Kinder sie nicht mehr brauchen. Wer sagt, hier werde der Fußball abgeschafft, hat die E-Jugend noch nicht gesehen.
Das ist Hessen. Nebenan kann es anders stehen, und deshalb steht die hessische Fassung hier als Beispiel und nicht als Regel. Was bei dir gilt, steht in den Durchführungsbestimmungen deines Landesverbands, meist unter „Kinderfußball“ oder „Neue Wettbewerbsformen“. Fünf weitere Verbände habe ich in ihren aktuellen Fassungen nachgesehen: Bayern, Berlin, Bremen, Sachsen-Anhalt und Württemberg spielen in der G-Jugend alle auf vier Minitore ohne Torwart. Auseinander gehen sie bei der F-Jugend (drei gegen drei in Bremen, in Württemberg drei und vier gegen vier im Wechsel, vier gegen vier in Hessen und Berlin), bei den Feldmaßen und bei der Zahl der Kinder, die je Mannschaft mitfahren dürfen. Für die übrigen fünfzehn Landesverbände habe ich nicht nachgesehen.
Warum niemand mitzählt
Kein Ergebnis heißt nicht, dass es keines gibt. Die Kinder wissen nach jedem Spiel, wie es ausgegangen ist, und sie sagen es dir auf dem Weg zum nächsten Feld. Es wird nur nicht aufgeschrieben: In Hessen dürfen Ergebnisse und Tabellen der G-, F- und E-Junioren nicht im DFBnet veröffentlicht werden, Württemberg führt bei Bambini und F-Jugend keine Tabellen, und beim DFB steht „Erlebnis vor Ergebnis“ als eines von sieben Spielprinzipien in der Jugendordnung.
Die fehlende Tabelle nimmt Druck raus, bei Trainern und bei Eltern. Selbst wer entspannt ist, kann sich einer Tabelle schlecht entziehen, und mit der Tabelle kommt die Frage nach dem Ergebnis ins Auto. Was du auf der Fahrt nach Hause stattdessen sagst, steht in Nach dem Spiel.
Nach meiner Erfahrung kommt die Frage nach dem Ergebnis nicht ständig. Sie kommt von den Eltern, die zum ersten Mal dastehen, und dann meist einmal. Wer ein paar Mal dabei war, hat gesehen, dass die Kinder aus Spaß spielen, und fragt nicht mehr.
Was du am Rand tust
Nicht mitzählen, nicht coachen, und im Auto nicht nach dem Ergebnis fragen. Die Durchführungsbestimmungen sehen die Kinder ohne Anleitung von Eltern und Trainern, und der DFB verlangt in seinen Fair-Play-Regeln drei Meter Abstand zum Kleinspielfeld, ausdrücklich auch von Familienmitgliedern. Anfeuern ja, Anweisen nein. Welche drei Sätze immer gehen und warum dein Zuruf meistens falsch ankommt, steht in Was am Spielfeldrand hilft und was schadet.
Wenn es schlechtgeredet wird
Für manche Trainer der alten Schule ist Funino kein richtiger Fußball, und sie sagen das vor den Kindern. Wer so denkt, wird von einem Jubelabsatz nicht überzeugt, eher von der Zahl oben, und auch die überzeugt nicht jeden. Das darf so sein. Nur eben nicht vor den Kindern.
Die Kinder sehen den Vergleich nämlich. Wenn nebenan auf demselben Platz die E-Jugend auf Jugendtore spielt, fühlen sie sich auf ihren Minitoren zurückgesetzt, sie hätten ja ohnehin lieber das große Tor. Die Stimmung kippt dann schnell, und sie kippt an dem, was Erwachsene daneben sagen.
Deshalb: nicht schlechtreden, auch nicht im Scherz, auch nicht im Auto. Und wer es vor den Kindern schlechtredet, ob Trainer, Opa oder ein Vater am Rand, gehört von ihnen ferngehalten. Ich bin überzeugt, dass die Kinder in der kleinen Form schneller lernen, weil sie öfter am Ball sind, und wer die Form kaputtredet, nimmt ihnen das weg. Was ein Kind wirklich besser macht und was nicht, ist Kapitel 16: Fußball üben zu Hause.
Wie viele Kinder bei so einem Spielfest mitfahren dürfen, warum nach jedem Tor gewechselt wird und was du tust, wenn dein Kind trotzdem oft daneben steht, ist die andere Seite derselben Rechnung: Einsatzzeiten im Kinderfußball.
Häufige Fragen
Die lernen ja nichts mehr, ohne Positionen und ohne Taktik?
Doch, nur nicht das, woran du dich aus deiner eigenen Jugend erinnerst. Auf dem kleinen Feld lernt ein Kind, den Ball zu behaupten, den Kopf zu heben und zwischen zwei Toren zu wählen. Positionen, Abseits und Aufbauspiel kommen ab der E-Jugend wieder, wenn das Feld größer wird. Gezählt worden ist das im Pilotprojekt des DFB: Im drei gegen drei fallen je Spielminute doppelt so viele Dribblings und mehr als doppelt so viele Tore wie im sieben gegen sieben.
Wer hat gewonnen?
Die Kinder wissen es, sie zählen mit. Aufgeschrieben wird es nicht: In Hessen dürfen Ergebnisse und Tabellen der G-, F- und E-Junioren nicht im DFBnet veröffentlicht werden, und der DFB führt „Erlebnis vor Ergebnis“ als Spielprinzip. Nach meiner Erfahrung fragen das die Eltern, die zum ersten Mal dastehen, und dann meist nur einmal.
Wo ist der Torwart?
Auf vier Minitore wird ohne Torwart gespielt, in der G-Jugend und beim drei gegen drei der F-Jugend. Ein Kind im Tor ist das Kind mit den wenigsten Ballaktionen auf dem Platz, und vor einem starken Torwart trifft das schwächere Kind an einem ganzen Vormittag nicht. Sobald auf Kleinfeldtore gespielt wird, in der F-Jugend wahlweise und in der E-Jugend regelmäßig, steht wieder einer drin.
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