F-Jugendtraining: Tipps für Trainer
Vier gegen vier, zehn bis vierzehn Kinder und ein Schwerpunkt über mehrere Wochen: ein Trainingsaufbau für F-Jugendtrainer mit einer Spielform für Spielaufbau und Umschalten.
7 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
Entwurf. Dieser Text beschreibt Patricks Trainingspraxis mit zehn bis vierzehn Kindern. Die Spielformen sind Trainingsvorschläge, keine Spielordnung. Die Regelung für den F-Jugend-Spielbetrieb muss für den eigenen Kreis und die jeweilige Saison geprüft werden. Solange der Kasten steht, bleibt noindex gesetzt.
Vier gegen vier ist bei uns die Form, die fast immer steht. Nicht weil Fünf gegen fünf falsch wäre, sondern weil ich im Training den Torwart als Feldspieler brauche. Vier Kinder pro Team bedeuten für jeden mehr Ballaktionen. Niemand kann vorn warten, bis der Ball irgendwann kommt, und niemand steht zwanzig Minuten allein im Tor.
Das Training muss deshalb nicht den Spieltag nachbauen. Im hessischen F-Jugend-Spielbetrieb können je nach Kreis verschiedene Formen vorkommen. Auf dem Trainingsplatz entscheide ich nach der Gruppe: Wie viele Kinder sind da? Wer möchte ins Tor? Woran arbeiten wir gerade? Und wie kalt ist es?
Drei Felder, eine Gruppe
Bei zehn bis vierzehn Kindern stelle ich ein oder zwei kleine Felder mit Mini-Toren auf. Dazu kann ein größeres Feld kommen, auf dem Vier gegen vier auf ein Jugendtor läuft. So wechseln die Kinder zwischen einer Form mit vier kleinen Toren und einer mit einem festen Torwart.
Die genaue Verteilung ist kein Stundenplan. Sind zwölf Kinder da, können acht auf zwei kleinen Feldern spielen, während vier eine kurze Form auf dem dritten Feld machen. Nach wenigen Minuten wechseln sie. Sind nur zehn da, wird ein Feld kleiner oder eine Form fällt weg. Wichtig ist der Grundsatz: Wer nicht gerade spielt, soll sich mit Ball bewegen oder eine Aufgabe haben, nicht in einer Reihe stehen.
Auf jedem Feld liegt ein Balldepot. Ein Ball im Gebüsch darf keine Unterbrechung für sechs Kinder sein. Wer die Felder vor dem Training aufbaut, bekommt die ersten Minuten mit den Kindern zurück. Deshalb nehme ich Hilfe von Eltern gern an. Viele Trainer kommen direkt von der Arbeit und sind fünf Minuten vor Beginn noch auf der Suche nach Toren und Hütchen.
Vier gegen vier ist intensiv. Das darf es auch sein.
Die kleinen Spiele sind anstrengend. Nach ein paar Minuten sind die Kinder außer Atem, haben viel gekämpft und sind mitunter auch gereizt. Dann schicke ich sie nicht automatisch in die nächste Vollgas-Runde.
Stattdessen kommt eine bewegte Zwischenform: Passen, Dribbling, Torschuss oder eine Aufgabe mit Ball. Die Kinder stehen nicht herum und kühlen bei Regen oder fünf Grad aus. Gleichzeitig fällt der Druck aus dem Spiel. Danach geht es wieder ins Vier gegen vier.
Bei drei oder vier Trainings in der Woche kann eine Einheit fast nur am Passen oder Dribbeln hängen. Bei ein oder zwei Terminen halte ich das Spiel für den besseren Ort, weil Passen, Dribbling und Torschuss darin zusammenkommen. Ein Pass ist erst dann ein Pass, wenn ein Kind ihn spielt, ein anderes ihn will und beide mit dem Gegner umgehen müssen.
Ein Schwerpunkt bleibt lange genug
Ich nehme mir für sechs bis acht Wochen ein Thema vor und bringe es immer wieder in die Spiele. Ein Beispiel ist der Aufbau aus der Torwartzone: Wo läuft das nächste Kind hin, wenn der Torwart den Ball hat? Wohin kann es passen, wenn ein Gegner nahe kommt? Wie wird aus dem Verteidiger nach dem ersten Pass ein Angreifer?
Die Kinder brauchen dafür keine Positionsnamen. Sie müssen nur erleben, dass sie sich freilaufen, einen sicheren Ball anbieten und nach einem Pass wieder eine neue Position suchen können. Im nächsten Schwerpunkt geht es vielleicht um die offene Körperhaltung. Sichere Kinder nehmen den Ball dann nicht mit dem Rücken zum Feld an, sondern sehen schon bei der Annahme, wohin die nächste Aktion gehen kann.
Trainer anspielen, Angriffsrecht holen
Eine Form dafür ist das Spiel auf ein Tor mit zwei Teams und einem festen Torwart. Ich stehe im Mittelfeld als neutrale Anspielstation.
Das Team mit dem Ball greift an. Erobert das andere Team den Ball, darf es nicht sofort auf das Tor stürmen. Es spielt erst zu mir. Mit diesem Pass hat es das Angriffsrecht geholt. Das bisherige Angriffsteam verteidigt jetzt, das bisherige Abwehrteam greift an.
Die Regel ist einfach, aber sie gibt dem Pass einen Sinn. Der Pass zum Trainer schafft Abstand zum Gegner und Zeit für die nächste Bewegung. Die Kinder merken zugleich, wie schnell sich die Rolle dreht: Wer eben noch hinten den Ball erobert hat, steht einen Moment später vor dem Tor.
Leichter wird die Form, wenn ich frei anspielbar bleibe und den Ball direkt zurückspiele. Schwerer wird sie, wenn der Spieler nach seinem Pass an mir vorbeilaufen muss, um den Rückpass zu bekommen. Die Kinder sollen dabei nicht auf meine Ansage warten. Sie sollen den Moment erkennen, in dem sie eine Hilfe brauchen.
Unterschiedliche Kinder, unterschiedliche Aufgaben
Ein gleichstarkes Feld ist nicht immer gerecht, aber es kann für eine Weile sinnvoll sein. Ein Kind, das sonst nur hinter einem sehr schnellen Mitspieler herrennt, bekommt gegen passende Gegner den Ball und eine eigene Entscheidung.
Gemischte Gruppen bleiben trotzdem wichtig. Dann gebe ich den starken Kindern Zusatzaufgaben. Nach einem Tor berührt das Kind eine Stange, macht einen Purzelbaum oder verlässt kurz das Feld. Das kann albern aussehen. Es schafft aber eine kurze Überzahl, in der die anderen Kinder einen Angriff gestalten können. Das starke Kind wird nicht bestraft; es bekommt eine zweite Aufgabe.
Beim Torwart gehe ich genauso einzeln vor. Manche Kinder wollen jedes Mal hinein. Andere mögen das gar nicht. Ich frage nach und wechsle, wenn sich mehrere melden. Möchte nur eines ins Tor, kann dieses Kind die Rolle in der Form auf ein Tor behalten. Trotzdem sollte auch das Torwartkind ab und zu draußen spielen. Es ist F-Jugend, kein Casting für eine feste Position.
Kurz coachen, Verantwortung abgeben
Ich coache kurz: „Kopf hoch“, „weiter“, „jetzt verteidigen“. Lange Erklärungen nehme ich nur, wenn das Spiel sonst nicht weitergeht. Gute Hinweise kommen beim einzelnen Kind an und halten nicht die ganze Gruppe an.
Auch Fairness kann bei den Kindern liegen. Trainingskapitäne klären erst einmal kleine Fragen auf ihren Feldern. Bei Streit hole ich sie zusammen und frage nach ihrer Lösung. Nächste Woche ist ein anderes Kind Kapitän. So lernen sie, dass eine Entscheidung auch dann getragen werden muss, wenn sie gegen die eigene Gruppe ausfällt.
Die Dienstag-Checkliste
- Felder, Tore und Balldepots stehen, bevor die ersten Kinder kommen.
- Vier gegen vier ist der Kern; die Zwischenform hält alle in Bewegung.
- Ein Schwerpunkt bleibt sechs bis acht Wochen sichtbar.
- Gruppen und Zusatzaufgaben werden nach den Kindern angepasst, nicht nach einem starren Plan.
- Torwartwünsche werden gefragt, nicht verteilt.
- Ein Elternteil am Feld kann Bälle nachlegen, anfeuern und einem neuen Kind helfen.
Was Spielfeldbegleiter konkret tun, steht in unserem Artikel dazu. Weitere Formen findest du in der geplanten Sammlung der zwölf Spielformen.
Zur Einordnung des hessischen Spielbetriebs: Hessischer Fußball-Verband, Regelwerk, Informationen & Downloads Junioren, abgerufen am 17. September 2026. Die konkrete Durchführungsbestimmung kommt vom zuständigen Kreis und ist vor jeder Saison neu zu prüfen.
Häufige Fragen
Warum trainierst du Vier gegen vier und nicht Fünf gegen fünf?
Vier gegen vier lässt den Torwart als Feldspieler mitmachen und gibt jedem Kind mehr Ballaktionen. Fünf gegen fünf kann im Spielbetrieb vorkommen; es muss deshalb nicht die bevorzugte Trainingsform sein.
Wie viele Felder brauche ich bei zehn bis vierzehn Kindern?
Ein oder zwei kleine Mini-Tor-Felder reichen als Kern. Ein weiteres, etwas größeres Feld kann für Vier gegen vier auf ein Tor genutzt werden. Entscheidend ist, dass niemand lange wartet und auf jedem Feld genug Bälle liegen.
Wie gehe ich mit Kindern um, die Torwart sein möchten?
Frag die Wünsche ab. Mehrere Kinder wechseln sich ab. Möchte nur eines ins Tor, kann es in einer Form auf ein Tor dort bleiben; trotzdem sollte es gelegentlich auch Feldspieler sein.
Wie lange bleibt ein Trainingsschwerpunkt?
Bei uns sechs bis acht Wochen. So sehen die Kinder dieselbe Spielidee oft genug, ohne dass jede Einheit gleich aussieht.
Was mache ich mit sehr unterschiedlich starken Kindern?
Teile zeitweise passend ein. In gemischten Gruppen bekommen starke Kinder Zusatzaufgaben, die anderen Kinder echte Ballaktionen und kurze Überzahlsituationen verschaffen.
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