F-Jugendtraining: Was Eltern wissen sollten
Warum im F-Jugendtraining kleine Spiele, wechselnde Rollen und viel Bewegung wichtiger sind als feste Positionen, lange Reihen und Anweisungen vom Spielfeldrand.
6 Min. Lesezeitvon Patrick Schneider
Entwurf. Dieser Text beschreibt Patricks F-Jugendtraining. Die Beispiele aus seiner Mannschaft sind Erfahrungen, keine allgemeine Vorschrift. Welche Form im Spielbetrieb des eigenen Kreises gilt, muss vor Veröffentlichung für die jeweilige Saison geprüft werden. Solange der Kasten steht, bleibt noindex gesetzt.
In der F-Jugend sieht Training manchmal nach sehr wenig aus. Zwei Teams, vier Kinder auf dem Feld, vier kleine Tore. Dann geht es los, der Ball ist dauernd im Aus, jemand jubelt, jemand will einen Freistoß, und nach drei Minuten sind alle außer Atem.
Für mich ist das kein Leerlauf. Vier gegen vier ist die Form, in der ein Kind den Fußball dauernd selbst lösen muss. Es verteidigt, weil der andere gerade den Ball hat. Es greift an, sobald der Ball gewonnen ist. Es dribbelt, passt und schießt nicht auf Ansage, sondern weil die Situation danach verlangt.
Kleine Spiele statt langer Reihen
Bei zehn bis vierzehn Kindern baue ich ein oder zwei kleine Felder mit Mini-Toren auf. Dann sind die Gruppen überschaubar und fast alle gleichzeitig im Spiel. Das Kind, das im großen Spiel nur nebenherläuft, bekommt im Vier gegen vier plötzlich einen Ball vor die Füße und muss entscheiden.
Diese Spiele sind anstrengend. Darum folgt nicht einfach die nächste Runde im selben Tempo. Eine kurze Dribbel-, Pass- oder Torschussform nimmt Druck heraus, ohne dass die Kinder frieren oder anstehen. Das ist im Herbst und Winter besonders wichtig. Bei fünf Grad und leichtem Regen wird einem Kind nicht warm, wenn es zehn Minuten neben einem Hütchen wartet.
Passen, Dribbeln und Torschuss kommen dabei nicht zu kurz. Sie stecken im Spiel. Wer den Ball gewinnt, muss ihn erst führen. Wer einen Mitspieler sieht, kann passen. Wer vor einem Tor frei ist, schießt. Bei drei oder vier Trainings in der Woche kann eine Einheit stärker an einer Technik hängen. Bei ein oder zwei Terminen ist das Spiel für mich der Ort, an dem alles zusammenkommt.
Keine Position gehört einem Kind
Einen linken Verteidiger oder einen Stürmer gibt es bei uns nicht als feste Stelle. Kinder sollen merken, wie es ist, hinten unter Druck den Ball zu bekommen, vorne auf ein Tor zu laufen und einem anderen den Ball abzunehmen. Im Vier gegen vier geht das ohnehin schnell: Wer eben noch hinten stand, ist nach einem Ballgewinn sofort im Angriff.
Das gilt auch für das Tor. Manche Kinder fragen schon beim Umziehen, ob sie heute Torwart sein dürfen. Andere möchten nie hinein. Beides wird abgefragt. Gibt es mehrere, wechseln sie sich ab. Will nur ein Kind ins Tor, kann es in einer Form auf ein Tor dort bleiben, während zwei Teams über einen Ballgewinn und eine Anspielstation zwischen Angriff und Abwehr wechseln. Das ist eine Möglichkeit, kein Grund, ein Kind für die ganze Saison festzustellen.
Nicht alle Kinder brauchen dieselbe Aufgabe
Kinder derselben Mannschaft sind nicht gleich weit, und ein gut gemeintes Mischteam löst das nicht immer. Wenn ein sehr sicheres Kind jeden Ball nimmt, läuft das kleinere Kind daneben. Deshalb teile ich zeitweise nach Leistungsstand ein. Dann spielen Kinder gegen Gegner, die sie fordern, aber nicht unsichtbar machen.
In einer gemischten Gruppe kann das starke Kind eine Zusatzaufgabe bekommen. Nach einem Tor berührt es eine Stange, macht einen Purzelbaum oder geht kurz vom Feld. Für die anderen entsteht eine Überzahl, und das starke Kind bekommt eine neue Aufgabe statt noch eines leichten Tores.
Ein neues Kind mit wenig Erfahrung stelle ich nicht sofort in die härteste Vier-gegen-vier-Runde. Zwei gegen zwei ist oft der ruhigere Anfang. Es braucht jemanden, der zuspricht, erklärt und den Ball wieder ins Spiel bringt. Ein Elternteil als Spielfeldbegleitung hilft dabei mehr als eine weitere Stimme von außen.
Müdigkeit ist kein Charakterfehler
Manchmal kommt ein Kind aus dem Hort und ist einfach leer. Es hat wenig gegessen, einen langen Tag hinter sich oder gerade Streit gehabt. Dann läuft es weniger, beschwert sich schneller und verliert früher die Lust.
Ich habe deshalb oft Bananen dabei. Nicht als Trainingsmethode, sondern für den einfachen Fall, dass ein Kind Hunger hat. Eine kurze Pause, etwas trinken oder ein kleiner Snack können reichen, damit es wieder mitspielen möchte. Kinder müssen im Training nicht beweisen, dass sie jeden Dienstag gleich fit sind.
Fairness dürfen die Kinder selbst regeln
In der F-Jugend können Kinder Verantwortung übernehmen. Bei uns gibt es Trainingskapitäne. Sie klären auf ihrem Feld erst einmal kleine Streitfragen: War der Ball aus? War das Foul? Wie geht es weiter? Erst wenn es kippt, gehe ich dazu und frage den Kapitän, wie er die Situation sieht.
Der Trainingskapitän wechselt. So erlebt jedes Kind, wie es ist, eine Entscheidung zu treffen, die anderen nicht gefällt. Manchmal setze ich die Gruppen auch zusammen und lasse sie überlegen, wie das Spiel wieder fair wird. Die Vorschläge sind nicht immer die, auf die Erwachsene kommen würden. Einmal kann die Lösung lauten, dass alle einen Elfmeter schießen. Wenn die Kinder das gemeinsam tragen und es das Spiel wieder in Gang bringt, kann man das stehen lassen.
Was Eltern am Rand tun können
Eltern müssen den Kindern im Spiel nicht sagen, wohin sie passen sollen. Dort stehen schon genug Entscheidungen an. Hilfreicher sind kurze positive Rückmeldungen: „Toller Schuss“, „Kopf hoch“, „noch mal versuchen“. Auch „jetzt verteidigen“ ist oft hilfreicher als eine genaue Laufanweisung.
Und wer beim Training helfen möchte, muss kein Co-Trainer werden. Felder aufbauen, ein Balldepot neben ein Tor legen, neue Kinder begleiten und gut anfeuern: Das nimmt dem Trainer Arbeit ab und gibt den Kindern mehr Zeit mit dem Ball. Was ein Spielfeldbegleiter konkret tut, steht auch in unserem Artikel dazu.
Zur Einordnung der Kinderfußballformen in Hessen: Hessischer Fußball-Verband, Regelwerk, Informationen & Downloads Junioren, abgerufen am 17. September 2026. Die konkrete Wettbewerbsform wird im Kreis geregelt und kann sich zur neuen Saison ändern.
Häufige Fragen
Warum spielen die Kinder im Training so viel Vier gegen vier?
Weil jedes Kind dabei zugleich angreift, verteidigt, dribbelt, passt und Tore sucht. In kleinen Spielen verschwindet niemand lange in einer Reihe oder auf einer festen Position.
Warum gibt es keine festen Positionen?
Kinder sollen alle Aufgaben des Spiels kennenlernen. Wer heute verteidigt, kann beim nächsten Spiel angreifen oder ins Tor gehen, wenn das Kind das möchte.
Wird Passen, Dribbling und Torschuss überhaupt geübt?
Ja. Diese Aktionen stecken in jedem kleinen Spiel. Dazwischen gibt es ruhigere Formen zum Passen, Dribbeln oder Schießen, damit die Kinder weiter in Bewegung bleiben.
Kann ein Kind ohne Fußballerfahrung mitmachen?
Ja. Es braucht am Anfang Schutz, passende Gegner und kurze Wege zum Erfolg. Zwei gegen zwei ist für viele neue Kinder der bessere Einstieg als ein großes Feld.
Was passiert, wenn mein Kind müde, traurig oder frustriert ist?
Dann wird es ermutigt und darf auch eine Pause machen. Nach Schule oder Hort kann ein Kind hungrig und platt sein; manchmal helfen Trinken, ein kleiner Snack und ein paar Minuten am Rand mehr als eine weitere Ansage.
Wie können Eltern am Spielfeldrand helfen?
Durch Zuspruch statt Fernsteuerung: „Toller Schuss“, „Kopf hoch“ oder „Noch mal versuchen“ helfen. Wer Zeit hat, kann beim Aufbau oder als Spielfeldbegleitung mithelfen.
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