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Einsatzzeiten im Kinderfußball: mein Kind sitzt oft draußen

Nach jedem Tor wird gewechselt, und der Verband sagt, wie viele Kinder mitfahren dürfen. Was du rechnest, was dahintersteckt und wie du es beim Trainer ansprichst.

10 Min. Lesezeitvon

„Die anderen spielen durch, meins steht die halbe Zeit daneben. Sage ich was?“ Zähl erst nach. Und zähl zuerst die Kinder auf eurer Seite, nicht die Minuten deines Kindes. In den kleinen Spielformen ist die Spielzeit über den Kader geregelt und nicht über die Aufstellung: Der Verband sagt, wie viele Kinder je Mannschaft mitfahren, und nach jedem Tor wird gewechselt. Wer mit neun Kindern zu einem Spielfest im vier gegen vier fährt, hat die Bank vor dem Anpfiff besetzt.

Hier geht es um Minuten. Das Kind, das nicht mehr will, ist die andere Hälfte der Frage und steht in Mein Kind will nicht mehr zum Fußball. Beide hängen an Kapitel 13 des Elternleitfadens.

Was der Verband vorschreibt

Das kennt kaum ein Elternteil, das ich gefragt habe: In den Spielfesten auf vier Minitore ist der Wechsel eine Spielregel. Der DFB gibt in seiner Jugendordnung für die G- und F-Jugend „Rotation nach jedem Tor oder nach max. 2 Minuten“ vor (Anhang IV, Stand 21.08.2026), und die Landesverbände schreiben aus, wie das geht. Hessen für 2026/27, Fassung vom 10.07.2026: „Nach jedem Tor wechseln beide Teams (nicht zwingend der Torschütze) jeweils einen Spieler in einer festgelegten Reihenfolge (Rotation) aus und ein.“ Fällt drei Minuten lang kein Tor, „wird manuell rotiert. Den Wechsel veranlasst der Feldbetreuer.“ Gewechselt wird an der Mittellinie, das Spiel läuft weiter.

Berlin verlangt den Wechsel spätestens nach zwei Minuten, Bremen und Württemberg nach jedem Tor oder etwa alle zwei Minuten. Und Bayern schreibt den Satz, der die Reihenfolge festnagelt: „Ein Spieler wird erst ein zweites Mal vom Feld genommen, wenn alle anderen Spieler bereits pausiert haben.“

Die Rotation ist damit die Regel und kein Entgegenkommen des Trainers. Bei uns habe ich eine Stoppuhr, die Kinder haben Rückennummern, aufgestellt wird nach den Nummern, und die Kinder merken sich selbst, wer als Nächstes rauskommt.

Die Kadergröße ist die eigentliche Stellschraube

Wie viel dein Kind spielt, entscheidet sich vor dem Anpfiff, bei der Zahl der Kinder, die mitfahren. Auch die steht in den Bestimmungen.

SpielformAuf dem FeldHessen, 2026/27Bayern, Richtlinie vom 17.04.2026Bremen und Berlin, 2026/27
3 gegen 3 auf Minitore (G, in manchen Verbänden auch F)34 bis 5 Kinder, also ein bis zwei Rotationsspielerhöchstens 2 Rotationsspielerhöchstens 2
4 gegen 4 auf Minitore (F)45 bis 7 Kinderhöchstens 3Berlin: höchstens 3
5 gegen 5 mit Torwart auf Kleinfeldtore (F, E)5bis zu 4 Rotationsspielerhöchstens 4Bremen: höchstens 2, Berlin: höchstens 3
6 gegen 6 mit Torwart (E)61 bis 6 Rotationsspieler, höchstens 12 im Kader7 gegen 7: Wer pausiert, spielt nebenan

Bayern hat dazu den Satz, den ich mir von jedem Verband wünsche: „Die maximale Anzahl der Rotationsspieler ist um einen Spieler weniger als auf dem Spielfeld spielen. Bei gleicher Spielerzahl ist eine weitere Mannschaft zu bilden.“ Und als Maßstab steht in derselben Richtlinie „keine Ersatzbank“ und „gleiche Spielzeiten für alle Spieler“.

Jetzt die Rechnung. Vier gegen vier mit neun Kindern: Vier stehen auf dem Feld, fünf daneben, und jedes Kind kommt im Schnitt auf gut vierzig Prozent der Zeit, egal wie fair gewechselt wird. Mit sieben Kindern sind es knapp sechzig Prozent, mit fünf achtzig. Die Rotation verteilt gerecht. Sie kann nur nicht mehr verteilen, als da ist. Der Ausweg ist ein Feld mehr, keine Absage, und warum das in den kleinen Formen so leicht geht, steht in Funino: was Eltern am Spielfeldrand sehen.

Das Nebenspielfeld

Der Satz, den niemand kennt, steht in Hessen unter den zulässigen Wettbewerbsformen: „Soweit bei Spielen auf Jugendtore das Rotationsprinzip aufgrund der höheren Anzahl an Rotationsspielern nicht greifen kann, sollen die Kinder auf einem Nebenspielfeld im 2:2 oder 3:3 usw. spielen.“ Der DFB sieht das für den Ligabetrieb der E-Jugend genauso vor, „4 x 15 Minuten, mit Wechsel aus Nebenspielfeldern“, und Bayern schreibt beim 7 gegen 7: „pausierende Spieler spielen auf den Nebenfeld“.

Wartezeit ist also nicht vorgesehen, sie entsteht. Und das gibt dir eine Frage in die Hand, die keine Anklage ist: „Machen wir nebenan noch ein Feld auf?“ Vier Hütchen und ein Ball reichen. Der Vormittag, an dem das stattfinden müsste, steht im Artikel zum Spielfest.

Gibt es eine Mindestspielzeit?

Nicht in den Fassungen, die ich gelesen habe. In der DFB-Jugendordnung steht keine Mindestspielzeit je Kind, in Hessen, Bayern, Berlin, Bremen und Württemberg auch nicht. Was es gibt, ist eine Mindestdauer je Spiel bei Turnieren, zehn Minuten in der G- und F-Jugend (Anhang III der Jugendordnung). Das ist eine Regel für den Spielplan, keine für dein Kind.

Was es außerdem gibt, ist ein Ziel. Im Trainingsheft des DFB, der Trainingsphilosophie Deutschland vom 14.10.2024, sagt Hannes Wolf auf Seite 65: „Alle Kinder sollen mindestens 75 Prozent Spielzeit erhalten und keines soll zu Hause bleiben müssen. Deswegen braucht es am Spieltag mehrere Felder und wenig Rotationsspieler.“ Ein Anspruch ist das nicht. Ein Maßstab schon, und er kommt vom Verband selbst.

Wo eine Bank überhaupt entsteht

Solange auf vier Minitore gespielt wird, gibt es keine. Sie entsteht mit dem Torwart und den Kleinfeldtoren, und sie wird zum Zustand, wenn in der E-Jugend aus sieben kurzen Spielen zwei lange werden. Deshalb höre ich die Frage bei den Sechsjährigen selten und bei den Zehnjährigen ständig.

AlterWie die Spielzeit zustande kommtWoran sie verloren gehtWas zu tun ist
3–4 Jahre (vor G)Gar nicht, es gibt keinen Spielbetrieb. Was Vereine unterhalb der Bambini anbieten, ist Vereinssache, und da sind alle die ganze Zeit dabeiAn nichts. Wer hier vom Danebenstehen spricht, meint ein Kind, das gerade nicht mitmachen willNichts. Die Frage stellt sich auf dieser Stufe nicht
5–6 Jahre (G, Bambini)Über die Rotation: 3 gegen 3 auf vier Minitore, vier bis fünf Kinder, nach jedem Tor wechselt eines. Über bis zu sieben Runden ist jedes Kind ständig dranNur an der Kaderzahl. Wer mit acht Kindern zu einem 3 gegen 3 fährt, hat aus einer Regel, die niemanden draußen lässt, eine Bank gemachtVor dem Spieltag fragen, mit wie vielen Kindern gefahren wird. Am Spieltag ist es kein Gespräch mehr, sondern ein Vorwurf
7–8 Jahre (F)4 gegen 4 mit fünf bis sieben Kindern, oder 5 gegen 5 mit Torwart und bis zu vier Rotationsspielern. Hier entsteht die Bank zum ersten MalAm Wechsel auf Kleinfeldtore und am Torwart: Ein Platz ist gebunden, und der Kader wächst schneller als das FeldZählen. Auf dieser Stufe ist die Zahl zum ersten Mal aussagekräftig
9–10 Jahre (E)6 gegen 6 mit Torwart, ein bis sechs Rotationsspieler, und die Spiele werden lang: vier mal 15 oder zwei mal 25 Minuten statt sieben kurzer Runden. Aus einer Pause wird ein ZustandAn der Länge der Spiele und daran, dass jetzt Ergebnisse zählen. Wer bei zwei mal 25 Minuten zwanzig davon draußen sitzt, hat einen halben Nachmittag zugesehenDas Kind zählt selbst mit. Hier gehört das Gespräch mit dem Trainer hin, und hier gehört die Frage an dich selbst hin, die weiter unten steht

Unser letzter Spieltag in der F-Jugend: vier Vereine, drei Spiele Vorrunde, drei Rückrunde, sechs Spiele à zehn Minuten, und zwei Rotationsspieler, die nach und nach reinkamen.

Die vier Gründe, aus denen ein Kind wenig spielt

Die ersten drei sagen nichts über dein Kind. Der vierte schon, und er steht hier ohne Vorwurf und ohne Beschönigung.

Zu viele Kinder mitgenommen. Bei fünf Kaderplätzen fahren auch mal zehn mit, weil niemand ein Kind zu Hause lassen will. Das halbiert die Spielzeit. Ich versuche als Trainer den Eltern und Kindern gegenüber, möglichst effizient zu sein und bereits vor dem Spieltag festzulegen, wer welche Spieltage bestreitet. An sich versuche ich, nur mit einem Auswechselspieler anzureisen. Bei Heimspieltagen sind wir aber meistens ein paar mehr. So kann jede Familie auch einen ordentlichen Samstag oder Sonntag planen. Eben auch ohne Fußball.

Zu viele Kinder insgesamt. Ein voller Jahrgang mit zwanzig Kindern und drei Spielfeste im Halbjahr rechnen sich nicht auf, gleich wie fair gewechselt wird. Dann liegt es an der Zahl der Mannschaften, die der Verein meldet.

Trainer- und Betreuerkinder werden bevorzugt. Ich habe das erlebt: zwei Trainer, ein Betreuer, dazu der beste Freund eines Trainerkinds, und schon sind vier von fünf Kaderplätzen belegt, bevor jemand aufgestellt hat. Das ist keine Aussage über Kindertrainer im Allgemeinen, aber es erklärt manche Aufstellung besser als jede Leistungsfrage.

Der Trainer stellt nach Leistung auf. Meist, weil die Mannschaft zu stark gemeldet ist: Trainer überschätzen die eigene Mannschaft gern, dann steht sie in einer Gruppe, in der sie jedes Spiel verliert, und unter dem Druck traut sich niemand mehr, die schwächeren Kinder einzuwechseln. Der Fehler liegt dann in der Meldung. Hessen teilt die Mannschaften nach gemeldeter Stärke in „Meldeligen“ ein, ohne Auf- und Abstieg; wer sich dort zu hoch einträgt, bezahlt das ein halbes Jahr lang.

Dazu zwei Dinge, bevor du jemanden ansprichst: Der Veranstalter braucht eine gerade Zahl an Mannschaften und teilt danach ein. Und ab dem 5 gegen 5 bindet der Torwart einen Platz, der bei uns in der F-Jugend durchgewechselt wird.

Das Gespräch

Es beginnt mit dem Zeitpunkt. Nicht am Spieltag, nicht im Elternchat, nicht über andere Eltern und nicht durch das Kind. Ein Trainingstag, nach dem Training, zwei Minuten.

Zwei Sätze, die du mitnimmst: „Ich habe an drei Spieltagen mitgeschrieben, es waren zusammen achtzehn Minuten. Was müsste er tun, um mehr zu spielen?“ Das ist dieselbe Frage wie „Warum spielt er nicht?“, nur bekommt sie eine Antwort, mit der ein Kind etwas anfangen kann. Und die zweite: „Machen wir nebenan noch ein Feld auf? Ich baue es auf.“

Zwei Sätze, die du dir sparst: „Warum spielt mein Kind so wenig?“ Darauf kommt eine Verteidigung, keine Antwort. Und „Die anderen spielen doch auch durch.“ Damit redest du über andere Kinder, und der Trainer hört auf zuzuhören.

Wenn das Gespräch schwieriger wird als das, weil der Trainer brüllt oder weil samstags nur die Besten spielen, ist das ein anderer Artikel: Wenn der Trainer schreit.

Was dein Kind davon mitbekommt

Es weiß längst, wer wie oft spielt, zählt spätestens ab neun selbst mit und weiß auch, wer die Trainerkinder sind. Was es nicht braucht, ist die Rückfahrt, auf der die Sache besprochen wird. Die Bank ist ein Gespräch mit dem Trainer und kein Thema fürs Auto; was du auf der Fahrt nach Hause stattdessen sagst, steht in Nach dem Spiel.

Und vorher eine Frage an dich selbst: Hat mein Kind das Problem, oder habe ich es? Nach meiner Erfahrung ist der Ehrgeiz am Spielfeldrand öfter der der Eltern als der des Kindes. Ein Siebenjähriger, der zwei von sechs Spielen draußen war und trotzdem mit Waffel in der Hand und Dreck an den Knien ins Auto steigt, hatte einen guten Vormittag.

Wer nach dem Zählen findet, dass die Minuten reichen und trotzdem nichts vorangeht, ist beim Nachbarthema: nicht mehr Minuten, sondern mehr Wiederholungen. Das ist Kapitel 16: Fußball üben zu Hause.

Wenn sich über eine Saison nichts ändert

Dann ist die kleinere Variante die erste: eine andere Mannschaft im selben Verein, in der F-Jugend oft einen Jahrgang tiefer, ab der E eine zweite Mannschaft. Sie kostet keine Freigabe und keinen Abschied vom Verein, nur den von der Gruppe. Der Vereinswechsel steht dahinter. Er hilft, wenn das Problem am Ort liegt, und er bekommt einen eigenen Artikel unter diesem Kapitel.

In der G- und in der F-Jugend beugen die neuen Spielformen dem vor, da sind diese Probleme fast ausgemerzt.

Häufige Fragen

Gibt es im Kinderfußball eine Mindestspielzeit für jedes Kind?

In den Ordnungen, die ich gelesen habe, steht keine: weder in der DFB-Jugendordnung (Anhang IV, Stand 21.08.2026) noch in den Bestimmungen von Hessen, Bayern, Berlin, Bremen oder Württemberg für die Spielzeit 2026/27. Was es gibt, ist eine Mindestdauer je Spiel bei Turnieren, zehn Minuten in der G- und F-Jugend, und das ist etwas anderes. Der DFB nennt in seinem Trainingsheft ein Ziel: mindestens 75 Prozent Spielzeit für jedes Kind. Ein Ziel, kein Anspruch.

Wie viele Kinder dürfen bei einem Spielfest mitfahren?

Das legt der Landesverband fest. Hessen sieht im 3 gegen 3 vier bis fünf Kinder je Mannschaft vor, im 4 gegen 4 fünf bis sieben. Bayern deckelt anders: höchstens ein Rotationsspieler weniger, als Kinder auf dem Feld stehen, und wer mehr hat, bildet eine weitere Mannschaft. Bremen und Berlin erlauben zwei bis drei. Was bei euch gilt, steht in den Durchführungsbestimmungen deines Verbands.

Darf ich den Trainer auf die Spielzeit meines Kindes ansprechen?

Ja, mit einer Zahl statt mit einem Gefühl: an drei Spieltagen mitgeschrieben, dann an einem Trainingstag gefragt, nicht am Spieltag und nicht im Elternchat. Die Frage, die eine Antwort bekommt, heißt „Was müsste mein Kind tun, um mehr zu spielen?“ und nicht „Warum spielt es so wenig?“.

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